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Halluzinationen
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Das Experiment im ZENIT No. 5,

"Visuelle Halluzination"

Ich sehe was, was Du nicht siehst"

visuelle Halluzinationen

Mit Prof. Dr. Erich Kasten

Corinna Breite

Enrique Keil

Regie: Norbert Pohlmann

Text: Norbert Pohlmann, Jan Pasemann

Fallbeispiele: Prof. Dr. Erich Kasten

Das großartige Zusammenspiel von Schauspielern und Wissenschaftlern begeisterte unter dem Titel "Ich sehe was, was Du nicht siehst - Visuelle Halluzinationen" 150 Zuschauer im großen "Theatersaal" der ZENIT GmbH.

Im Experiment No 5 verfolgte das Publikum gebannt, welche Erscheinungen unter anderem unter dem Einfluss von Drogen hervorgerufen werden können und was Menschen erleben, die Todesnaherfahrungen gemacht haben. Untermalt waren diese Beispiele von eindrucksvollen Bildern und akustischer Begleitung.

... Ich bin nicht verrückt, jedenfalls noch nicht. Ich bin Thorsten W. Ich bin froh, hier auftreten zu können, denn es hilft mir irgendwie damit umzugehen, mit meinen Halluzinationen.

Ich sehe, fühle, ich höre Dinge, manchmal rieche ich sie, Dinge, die nicht da sind und das den ganzen Tag, jede Sekunde. Nein! Das ist nicht übertrieben. – Ich weiß, dass es Halluzinationen sind. Nicht wirklich. Ich sehe Skelette. Mit einem – meinem dritten Auge sehe ich Skelette. Sehe, wie sie durch die Gegend laufen. Sehr plastisch, Körperteile fangen an zu flackern, um dann ganz zu verschwinden, kurzzeitig. Sie sehen mich an. Kommen auf mich zu. Gehen durch mich hindurch. Das spüre ich dann auch. Selbst jetzt. Doch, ich kann noch sehr gut unterscheiden, was real ist und was nicht. Trotzdem setzen sie mir zu, diese Halluzinationen. – Es ist schwierig für mich, sich auf etwas zu konzentrieren, weil sie immer da sind. Am Anfang war es unerträglich – Der Gedanke, dass das alles über mich einbricht, obwohl ich das nicht möchte: unerträglich. Hilfloses Ausgeliefertsein. Ich wollt’ mich umbringen.

Jetzt? Es ist zum Alltag geworden....

Halluzinationen unter Psychosen
Neben der kurzweiligen Darbietung der ernsten Thematik, machten alle drei Protagonisten auch auf die bürokratischen Hürden aufmerksam, die Patienten zu überwinden haben, bevor die Therapie aufgenommen werden kann.

Sie kann mit den bürokratischen Sachen nichts anfangen. Und sie erzählt einfach ihre Geschichte.

..Ich fahre gern Auto. Landstraße. Mindestens 80. Ich schließe die Augen. 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9 10. Mal sehen, was passiert.
Ich habe ständig Angst: Angst vor dem Verlassenwerden, vor
Arbeitslosigkeit, vor Krankheit, Angst, den Verstand zu verlieren und mal wieder zu versagen. Als Kind, mit 7 Jahren, da konnte ich verschwinden, in der Tapete, ich war immer auf einer Reise, niemand konnte mir etwas antun, denn ich war ja nicht da.

Mit 13 fing ich an, mich zu verletzten. Ich schnitt mich, riss mir Haare aus, brach mir den Arm, schlug mich, haute meinen Kopf vor die Wand. Seit einigen Monaten bin ich abstinent. Täglich denke ich ans Schneiden, mit dem Einmalskalpell, schön tief.
Warum?
Die Halluzinationen überfallen mich zu Hause.
Ich sehe meine tote Mutter in der Badewanne voller Blut liegen, ihre toten Augen starren mich an. Ich fühle, wie mein Bauch von innen heraus von einem Monster aufgeschnitten wird, rieche das Blut.
Ich sehe Menschen im Kleiderschrank hängen. Ein Wolfsrudel rast die Straße entlang, von einem Lavastrom gehetzt.
Vorhin, da draußen, der tote Vogel. Plötzlich lagen viele Vögel dort. Alle tot. Doch es waren kleine Löwen, die am Boden lagen, nicht tot, sie schrien und wanden sich vor Schmerzen. Tote Babys in Koffern und Schubläden.
Bäume bekommen Arme. Mein toter Bruder winkt mir zu, zerlumpt und halb verwest. Vermummte Gestalten durchschneiden Kehlen von Frauen und Kinder. Ich fliege über einen Canyon, unter mir die Schluchten und der tosende Fluss. Mein toter Vater ruft mich an, Insekten krabbeln auf mir herum, wollen mich auffressen. Der Boden tut sich auf, ein Krater, ich stürze, sehe brennende Häuser und große Gestalten mit Messern, die Kinder und Frauen töten...
Aber manchmal sehe ich Licht. Und Farben. Und höre Musik von Händel, traurig, aber tröstlich.
Oft wünschte ich mir den Tod. Das ist dieser Teil in mir, der alles über hat: Sattgesehen. Sattgehört. Sattgefühlt. Satt. Satt. Satt. Taub geworden im Innern und zu allem fähig. Nichts. Endlich mal Ruhe im Kopf.
Manchmal male ich meine Trugbilder.

"Blinde, die etwas sehen können: Das Charles-Bonnet-Syndrom"

Beschreibung eines Fallbeispiels:

Quadratische Gittermuster in blauer Farbe; in jedem Feld eine dunkle Scheibe mit gelb-organgefarbener Korona; danach löste ein Blumenmuster ab: 20 Margeriten, weiße Blütenblätter, gleichmäßig ineinander übergehend. Als drittes Muster verschiedene Formen und Farben, viertes Muster ist ein blau-weißes Rautenmuster. Fünftes Muster: schwarze und weiße Rosen, abwechselnd mit anderen Blumen. Sechstes Muster: Blaugrundiges großes Quadrat mit 9 lachsfarbenen Streifen.

Halluzinationen unter Drogeneinfluss
... Deswegen nehm’ ich doch keine Drogen!
Nur mal vorweg: der Kater kommt beim Mescalin vorm Rausch!
Wir haben den Kaktus in dünne Buttons geschnitten und dann gefuttert. Bah war das bitter. Zum Brechen. Aber nach einer Stunde beginnt es zu wirken und ich kann dir nur wünschen, dass du vorher gut drauf warst, ansonsten hast du bei Mescalin ganz schlechte Karten, `nen lustigen Trip zu kriegen. Zuerst bekamen wir Lachanfälle, die hielten eine ganze Weile. Dann wurde mir schwindelig. Ich bekam Schweißausbrüche. Das Mescalin begann voll zu wirken: das Zimmer, in dem wir saßen verschwamm. Alles drehte sich, der Fußboden verschwand in der Wand. Meine Freunde bekamen bunte Köpfe mit Hörnern. Ich kriegte keinen Satz mehr über die Lippen – gelähmt. Alles war bunt und veränderte sich ständig. Möbel bewegten sich, aus uns wurden unvorstellbare Gestalten.

Nach ca. 8 Stunden klang alles wieder ab. Ich fühlte mich nicht mal müde. Es war total lustig. Aber auch erschreckend, was da in der Birne passiert. ...

Träume

Zugang zum Unbewussten?

Aufarbeitung von Alltagssorgen?

Oder doch nur zufällige, bedeutungslose Spontanentladungen von Neuronen?

... Ich sehe nachts Dinge, auf die ich dann

reagiere. Ob im Schlaf oder in wachem Zustand weiß ich gar nicht. Meine Reaktionen sind eigentlich immer angemessen und logisch, nur sind die DINGE, die ich sehe, gar nicht da!

Vor zwei Nächten habe ich beispielsweise einen Käfer gesehen. Er kroch aus einer Blume, die mitten im Bett wuchs.

Ich will den Käfer mit einem Papiertuch nehmen und aus dem Fenster werfen – doch mein Freund wachte auf und versuchte mich, davon zu überzeugen, dass es weder Käfer noch Blume gebe. Ich glaube ihm nicht. Wenn wir dann das Licht anmachen, verschwinden die Bilder meist, nicht immer. Die Diskussionen sind ermüdend.
Ich weiß ja, dass mein Freund mir nicht glauben wird, wenn ich nachts etwas sehe. Ich versuche dann ganz sicher zu gehen, dass das Gesehene wirklich da ist. Ich beginne zu blinzeln, kneife mich. Aber ich sehe es weiterhin....
Am nächsten Morgen weiß ich, dass alles ein Traum war, aber ich kann mich an alle Einzelheiten erinnern.

Diese Traumerlebnisse habe ich, seit ich mich erinnern kann.

Es geht nicht immer um Käfer, ich sehe diverse Tierarten, Freunde, Bekannte, Monster, zugemauerte Türen, fremde Leute, die Konfetti durch das Fenster werfen. Grundsätzlich belasten mich diese Träume nicht, aber da ich nun mit meinem Freund zusammenlebe, möchte ich gern der Sache auf den Grund gehen.
...

Nach 90 Minuten dankte das Publikum mit stürmischem Beifall allen Beteiligten für einen Abend, der keine Erscheinung war, aber trotzdem einmalig. "Eine authentische Darstellung der Halluzinationen" würdigte ein Zuschauer dann die schauspielerische Leistung. "Wann treten die drei wieder auf?" fragte eine ältere Dame.
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