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Sie kann mit den bürokratischen Sachen nichts anfangen. Und sie erzählt einfach ihre Geschichte.
..Ich fahre gern Auto. Landstraße. Mindestens 80. Ich schließe die Augen. 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9 10. Mal sehen, was passiert.
Ich habe ständig Angst: Angst vor dem Verlassenwerden, vor
Arbeitslosigkeit, vor Krankheit, Angst, den Verstand zu verlieren und mal wieder zu versagen. Als Kind, mit 7 Jahren, da konnte ich verschwinden, in der Tapete, ich war immer auf einer Reise, niemand konnte mir etwas antun, denn ich war ja nicht da.
Mit 13 fing ich an, mich zu verletzten. Ich schnitt mich, riss mir Haare aus, brach mir den Arm, schlug mich, haute meinen Kopf vor die Wand. Seit einigen Monaten bin ich abstinent. Täglich denke ich ans Schneiden, mit dem Einmalskalpell, schön tief.
Warum?
Die Halluzinationen überfallen mich zu Hause.
Ich sehe meine tote Mutter in der Badewanne voller Blut liegen, ihre toten Augen starren mich an. Ich fühle, wie mein Bauch von innen heraus von einem Monster aufgeschnitten wird, rieche das Blut.
Ich sehe Menschen im Kleiderschrank hängen. Ein Wolfsrudel rast die Straße entlang, von einem Lavastrom gehetzt.
Vorhin, da draußen, der tote Vogel. Plötzlich lagen viele Vögel dort. Alle tot. Doch es waren kleine Löwen, die am Boden lagen, nicht tot, sie schrien und wanden sich vor Schmerzen. Tote Babys in Koffern und Schubläden.
Bäume bekommen Arme. Mein toter Bruder winkt mir zu, zerlumpt und halb verwest. Vermummte Gestalten durchschneiden Kehlen von Frauen und Kinder. Ich fliege über einen Canyon, unter mir die Schluchten und der tosende Fluss. Mein toter Vater ruft mich an, Insekten krabbeln auf mir herum, wollen mich auffressen. Der Boden tut sich auf, ein Krater, ich stürze, sehe brennende Häuser und große Gestalten mit Messern, die Kinder und Frauen töten...
Aber manchmal sehe ich Licht. Und Farben. Und höre Musik von Händel, traurig, aber tröstlich.
Oft wünschte ich mir den Tod. Das ist dieser Teil in mir, der alles über hat: Sattgesehen. Sattgehört. Sattgefühlt. Satt. Satt. Satt. Taub geworden im Innern und zu allem fähig. Nichts. Endlich mal Ruhe im Kopf.
Manchmal male ich meine Trugbilder.
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