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Achromatopsie: totale Farbenblindheit. Die meisten als "farbenblind" gekennzeichneten Personen, überwiegend Männer, können lediglich rot und grün schlecht oder gar nicht unterscheiden. Zum völligen Ausfall des Farbunterscheidungsvermögens kann es infolge einer Hirnschädigung kommen, wenn ein bestimmtes Hirnzentrum, das für die Farbwahrnehmung verantwortlich ist, zerstört wurde.
Affektive Psychose: psychotische Störungen, die sich insbesondere durch ein übermäßiges Ausmaß von Stimmungsschwankungen kennzeichnen lassen. Der Patient kann in der manischen Phase wochen- oder monatelang völlig überdreht-heiter sein und verfolgt größenwahnsinnige Ideen. In der depressiven Phase wird er zurückgezogen, melancholisch, er hat Suizidabsichten und leidet unter Schuld- oder Krankheitswahn. Manie und Depression können einzeln oder als bipolare Psychose auch nacheinander vorkommen.
Agnosie: Nach einer hirnorganischen Schädigung, insbesondere im Bereich des Scheitellappens können die Patienten zwar Objekte sehen, aber sie können diese Gegenstände nicht mehr benennen. Die reine Wahrnehmung ist ungestört, ebenso die sprachliche Ausdrucksfähigkeit. Es fehlt die Zuordnungsfähigkeit zwischen Bild und Namen. So beschrieb ein Patient eine Blume als "rotes, gefaltetes Gebilde" ohne es benennen zu können. Erst durch den Geruch erkannte er, daß es sich um eine Rose handelte.
Agoraphobie: übersteigerte Angst vor dem überqueren größerer Plätze, insbesondere, wenn sich dort Menschenansammlungen finden. Die Agoraphobie gehört zu den neurotischen Störungen. Sie kann sich so steigern, daß die Betreffenden schließlich nicht einmal mehr ihre Wohnung verlassen können.
Ahorn-Sirup-Krankheit: angeborene Stoffwechselkrankheit, die eine geistige Behinderung auslösen kann. Der Urin der Erkrankten riecht nach Ahorn-Sirup, einem amerikanischen Brotaufstrich.
Altersschizophrenie: umstrittene Diagnose des Erstauftretens einer Schizophrenie im Alter. Schizophrenie beginnt typischerweise um das 20. Lebensjahr, selten nach dem 40. Geburtstag. Im Alter hat man es dann bestenfalls mit einem Residualzustand zu tun, den meist abflachenden Resten von früheren schizophrenen Schüben mit entsprechendem Persönlichkeitsabbau. Bei den meisten als Altersschizophrenie bezeichneten Fällen dürfte es sich eher um exogene Psychosen handeln, die durch hirnorganische Funktionsstörungen entstehen. Durch die hierbei auftretende Bewzßtseinseinengung, sowie Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen kann es gleichfalls zu wahnhaftem Erleben und seltener auch zu Halluzinationen kommen. Insbesondere die Wernicke-Aphasie, oft bedingt durch eine schleichend-verlaufende Multi-Infarkt-Demenz führt oft zur falschen Diagnose einer Altersschizophrenie.
Alzheimersche Krankheit: nach dem Arzt A. Alzheimer benannte Demenzform, die frühzeitig einsetzen kann und dann in 6-8 Jahren zum Tod führt. Am Anfang stehen Gedächtnisstörungen, die beständig zunehmen und schließlich zu Verwirrtheit und Hilflosigkeit führen. Im Gehirn finden sich typische Veränderungen mit Schrumpfung, senilen Plaques und neurofibrillären Verklumpungen. Eine endgültige Therapie ist bisher nicht bekannt.
Amnesie: spezielle Formen von Gedächtnisstörungen. Die retrograde und anterograden Amnesien betreffen Erinnerungsverluste vor oder nach einem Unfall. Die psychogene Amnesie gehört mit zu den neurotischen Erkrankungen.
Amphetamine: Medikamente, die eine stark anregende Wirkung auf das Zentrale Nervensystem haben. Eine Überdosis Amphetamine kann einen Zustand auslösen, der einer Schizophrenie gleicht. Andererseits kann nach heutigem Wissen die Negativsymptomatik (Apathie, Sprachverarmung, Interesselosigkeit) mancher Psychosen durch Amphetamine gelindert werden.
Anamnese: Befragung eines Patienten nach seiner persönlichen Lebensgeschichte und Erhebung bisheriger Krankheitsdaten. Die Anamnese dürfte das wichtigste ärztliche oder psychologische Untersuchungsinstrument überhaupt darstellen. Eine gut geführt Anamnese kann viele andere mühsame Untersuchungsverfahren ersetzen.
Anoxie: Sauerstoffmangel. Besonders das Gehirn wird durch Sauerstoffmangel sehr schnell geschädigt. Eine solche Anoxie kann bei der Geburt auftreten, bei Tauchunfällen, aber auch bei Herzinfarkten.
Antidepressiva: Medikamentengruppe gegen Depressionen. Man unterscheidet stimmungsaufhellende, antriebssteigernde und dämpfende Antidepressiva. Die Wirkung tritt erst nach mehreren Wochen ein. Antidepressiva dürfen nicht abrupt weggelassen werden. Antidepressiva helfen nicht gegen alle Formen der Depression, der Einsatz ist nur bei endogenen, psychotischen Depressionen zu rechtfertigen, insbesondere durch die Gefahr schwerer Nebenwirkungen sollte man bei anderen, reaktiv bedingten Depressionsarten auf psychotherapeutische Verfahren zurückgreifen.
Apallisches Syndrom: nach einer schweren Hirnverletzung kann das Großhirn so stark geschädigt sein, daß der Patient sein volles Bewußtsein nicht mehr wiedererlangt. Lebenswichtige Funktionen erholen sich hier wieder, aber diese Patienten sind zunächst völlige Pflegefälle. Sie reagieren nicht mehr auf Ansprechen oder geben nur lallende Antworten und müssen gefüttert und gewickelt werden. Durch langjähriges Training können sie meist einige lebenspraktische Fähigkeiten zurückerlangen.
Aphasie: Sprachstörung nach einer Hirnschädigung. Man unterscheidet die Broca-Aphasie mit stockendem Sprachfluß und Wortfindungsstörungen, die Wernicke-Aphasie mit schneller, fließender Sprache, die aber unsinnige Sätze enthält und die globale Aphasie, bei der nur noch wenige Sprachautomatismen gesagt werden können.
Apraxie: nach einer hirnorganischen Schädigung kann der Patient die Fähigkeit verlieren, einen Gegenstand seiner nutzbaren Verwendung zuzuordnen. Zeigt man dem Patienten z.B. eine Wäscheklammer, so kann er diese zwar benennen, aber nicht sagen, wofür diese Wäscheklammer gut ist. In anderen Fällen streichen diese Menschen die Butter mit der Gabel auf das Brot, da sie diese Funktion des Messers vergessen haben oder sie stehen hilflos mit offener Jacke vor dem Pflegepersonal, da sie sich an die Funktion von Knöpfen und Reißverschlüssen nicht entsinnen können.
Apoplex: Schlaganfall, auch Hirninfarkt genannt. Ein Blutpfropf verstopft hierbei plötzlich eine Hirnarterie, so daß ein bestimmter Hirnteil kein Blut mehr erhält und abstirbt. Kleinere Schlaganfälle werden oft kaum bemerkt, größere sind lebensbedrohlich und führen z.B. zur Halbseitenlähmung.
Asthma: allergische Reaktion mit Verengung der Bronchien und Atemnot bis zu Erstickungsanfällen. Asthma gehört mit zu den psychosomatischen Krankheiten, da Streß und auch sekundärer Krankheitsgewinn (Zuwendung) diese Symptomatik verstärkt.
Atrophie: Verkleinerung oder Schrumpfung, z.B. Atrophie des Gehirns beim alten Menschen, das mit zunehmendem Alter kleiner wird. Die Hirnfurchen verbreitern sich und auch die Höhlräume im Gehirn (Ventrikel) werden größer.
Autonomes Nervensystem: Teil des Nervensystems, den wir nicht bewußt steuern können. Das autonome Nervensystem beeinflußt z.B. die Verdauung, Vergrößerung der Pupillen, Schwitzen, Erhöhung des Herzschlages und sexuelle Reaktionen.
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Barbiturate: Schlaftabletten. Wegen der Suchtgefahr und der Möglichkeit mit Barbituraten Suizid zu begehen, sind diese weitgehend aus dem Handel verschwunden und durch Tranquilizer ersetzt worden.
Beziehungswahn: der Patient bezieht unwichtige Zufälle oder Reaktionen der Umwelt auf sich. Aus jedem Lachen in einem Restaurant glaubt er herauszuhören, daß man über ihn lacht. Beziehungswahn tritt bei Schizophrenie auf, aber auch bei schwerhörigen alten Menschen, die oft glauben, man würde über sie reden.
Benzodiazepine: chemische Bezeichnung für Tranquilizer, Beruhigungsmedikamente wie Valium, Librium, Tranquan usw., die zur Behandlung von Ängsten und gegen Schlafstörungen eingesetzt werden.
Biofeedback: Entspannungstraining mit Geräten, die den Hautwiderstand (Schweißsekretion), die Atmung oder Hirnströme akustisch oder auf einem Monitor sichtbar aufzeigen.
Bipolare Störung: Untergruppe der Affektiven Psychosen. Der Patient zeigt sinuskurvenartige Stimmungsschwankungen von manisch-überdreht bis zu tieftraurig-depressiv. Diese übersteigerten Stimmungsphasen halten Wochen bis Monate an. Meist ist eine medikamentöse Beeinflussung nicht zu umgehen.
Borderline: psychische Störungen im Randbereich zwischen Neurosen und Psychosen. Häufig entwickeln sie sich aus einer neurotischen Krankheit wie der Zwangsneurose, beinhalten dann jedoch zunehmend Wahnvorstellungen, so daß die diagnostische Abgrenzung unmöglich wird.
Broca-Aphasie: Ausfall des Sprachvermögens nach einer hirnorganischen Schädigung, meist Schlaganfall der linken Arteria cerebri media. Die Patienten möchten etwas sagen, aber ihnen fallen die richtigen Worte nicht ein, sie ringen oft förmlich um jeden einzelnen Begriff. Auch beim Schreiben entstehen dieselben Probleme.
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Cerebellum: (siehe Kleinhirn), dient im wesentlichen der Bewegungssteuerung und Koordination von Glkeichgewicht und Bewegung.
Chemotherapie: Behandlung psychischer Krankheiten mit Medikamenten: Psychopharmaka-Therapie.
Chorea Huntington: degenerative Erkrankung des Gehirns, die von Huntington 1872 erstmals geschrieben wurde. Die Krankheit beginnt mit Depression, Reizbarkeit, Gedächtnisstörungen und Wahnvorstellungen. Der Zusatz Chorea (griech.: Tanz) weist auf die unwillkürlichen, krampfartigen Drehbewegungen des Körpers hin, die in der Endphase auftreten. Diese Krankheit wird vererbt.
Chromosom: Das Erbmaterial, die Gene, sind in Chromosomen enthalten. Jede einzelne Zelle unseres Körpers enthält einen vollständigen Chromosomensatz, mit Ausnahme der Eizelle und der Spermien, die nur einen halben Satz besitzen, der erst bei der Befruchtung zu einem vollständigen Satz verschmilzt. Hierbei kann es zu Fehlern kommen wie z.B. bei der Trisomie 21 (Mongolismus) oder dem Klinefelter-Syndrom mit psychischen und körperlichen Veränderungen.
Commotio cerebri: Gehirnerschütterung mit kurzfristiger Bewußtlosigkeit und nachfolgendem Schwindelgefühlen, Übelkeit und Kopfschmerzen. Obwohl diese Symptome Tage oder sogar Wochen anhalten ist keine bleibende Schädigung vorhanden.
Contusio cerebri: Hirnquetschung durch einen Unfall. Das Gehirn verschiebt sich dabei so stark im Schädel, daß Nerven zerstört werden. Es kommt zum Koma, das Tage oder Wochen anhält. Trotz der vorhandenen Zerstörung von Hirngewebe muß später kein geistiger Ausfall vorhanden sein. Das Gehirn vermag geringe Störungen zu kompensieren. Abhängig von der Schwere kann es zu einzelnen Ausfällen kommen, z.B. Gedächtnisschwierigkeiten, Sprachstörungen, Halbseitenlähmung, u.a. Schlimmste Folge einer Contusio ist das Apallische Syndrom.
Corpus callosum: auch als "Balken" bezeichneter Gehirnteil, der die rechte mit der linken Hirnhälfte verbindet. Nur dadurch, weiß die eine Hirnhälfte, was die andere tut. Bei operativer Durchtrennung des Corpus callosums, z.B. gegen epileptische Anfälle, entsteht der Split-brain-Patient, dessen Hirnhälften nun einzeln reagieren. Obwohl diese Patienten die auftretenden Probleme erstaunlich rasch bewältigen, können sie es dennoch nicht immer unterdrücken, daß z.B. die rechte Hand etwas kaputt macht, das die linke Hand gerade gebastelt hat.
Cortex: Rinde. Gemeint ist fast immer der Cortex cerebri: Großhirnrinde. Dieser Teil mit den vier Hirnteilen (Frontallappen, Temporallappen, Parietallappen und Okzipitallappen) wird gegen die subkortikalen Strukturen im Mittel- und Stammhirn abgegrenzt. Aber auch das Kleinhirn besitzt eine solche Rinde: Cortex cerebelli.
Cortison/Cortisol: Cortison ist ein Medikament, das in der Lage ist, das Immunsystem in seiner Wirkung stark zu hemmen. Cortison wird deshalb bei Autoimmunkrankheiten wie Asthma, Neurodermitis, Rheuma, Colitis ulcerosa, Morbus Crohn oder Multiple Sklerose gegeben. Es kommt als Cortisol auch im menschlichen Körper vor und wird bei Streß vermehrt ausgeschüttet, dies erklärt zum Teil die krankmachende Wirkung psychischer Belastungen.
Creutzfeld-Jakob-Krankheit: Nach den Neurologen Hans-Gerhard Creutzfeld (18885-1964) und Alfons Jakob (1884-1931) benannte degenerative Hirnerkrankung, die 1975 von Gajdusek als Infektion durch einen sehr langsam wirkenden Virus (slow virus) identifiziert wurde. Es kommt zur Hirnatrophie mit Bildung von Narben und Plaques im Cortex. Nach Ansteckung dauert es bis zu 3 Jahren, bevor die Krankheit erste Symptome zeigt. Beginn mit Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Schlaflosigkeit, Schwindelgefühle, Kopfschmerzen. Dann zunehmende Demenz mit Lähmungen und epileptischen Anfällen. Innerhalb von 2 Jahren führt die Krankheit zum Tod, eine Therapie ist nicht bekannt. Derselbe Virus führt auch zum sog. "Rinderwahnsinn".
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Delir: hirnorganisches Psychosyndrom, das in der Regel akut auftritt und rückbildungsfähig ist. Es kommt zur örtlichen und zeitlichen Desorientierung, zu Wahnbildung, Halluzinationen, Unruhe und einem herabgesetzten Bewußtseinszustand.
Delirium tremens: Entzugserscheinung insbesondere nach Aloholentzug mit starkem Zinnern und akustischen visuellen oder taktilen Halluzinationen. Typischerweise hat der Betroffene ständig das Gefühl, daß kleine Insekten über ihn krabbeln.
Dementia praecox: älterer, heute ungebräuchlicher Ausdruck für Schizophrenie.
Demenz, senile/präsenile: geistiger Abbau. Meist beginnend mit Gedächtnis- und Konzentrationsstörung. Hinzu kommt dann gedankliche Unbeweglichkeit, mangelnde Planungs- und Urteilsfähigkeit. Allmähliche Sprachverarmung, Vernachlässigung des Äußeren, der Hygiene und der Ernährung. Zunehmend werden gravierende Fehler gemacht, die ein selbständiges Leben dann nicht mehr zulassen. Die Umsiedelung in ein Heim verkraften viele demente alte Leute nicht mehr, da sie sich durch die schweren Gedächtnisschwierigkeiten nicht mehr auf die neue Situation einstellen können.
Denkstörung: formale und inhaltliche Denkstörungen gelten als wichtigstes Symtom der Schizophrenie. Es kommt z.B. zu übermäßigen Assoziationen oder zu dem Gefühl, die Gedanken werden von außen eingegeben oder entzogen. Typisch ist auch der Begriffszerfall: ein Wort verliert seine Bedeutung und wird sinnlos. Die Denkstörungen zeigen sich meist auch in der Sprache.
Depersonalisation: Gefühl der Entfremdung von der eigenen Person. Die Betroffenen haben das Gefühl, daß ihr Körper nicht mehr zu ihnen gehört, Gliedmaßen fühlen sich fremd oder in ihrer Größe oder ihrem Gewicht völlig verändert an. Zum Teil entsteht auch der Eindruck, man würde sich selbst von außen beobachten. Depersonalisation tritt bei der dissoziativen Neurose, nach Einnahme bewußtseinserweiternder Drogen (z.B. LSD) und seltener auch bei der Schizophrenie auf.
Depression: eine der häufigsten psychischen Störungen. Neben psychischen Symptomen wie Melancholie, Traurigkeit, Zurückgezogenheit, Konzentrationsschwierigkeiten und Suizidgedanken kommt es oft auch zu körperlichen Auswirkungen, z.B. Schlafstörungen, Appetitverlust, Engegefühl beim Atmen, Herzrasen und Verdauungsstörungen. Man unterscheidet verschiedene Depressionsarten (z.B. Erschöpfungsdepression, reaktive Depression, depressive Neurose, endogene Depression u.a.), die eine unterschiedliche Behandlung verlangen.
Desorientiertheit: die betroffene Person kann keine klaren Angaben machen über: Datum, Jahreszeit, Örtlichkeit, ihre eigene Person (Name, Alter, Beruf usw.) oder über andere Personen (z.B. Name des Arztes, der Kinder, des Ehepartners etc.).
Diathese-Streß-Paradigma: diese Theorie geht davon aus, daß bei Personen, die eine genetische Disposition haben, möglicherweise eine bestimmte Krankheit zu bekommen (Diathese), nur daran erkranken, wenn sie entsprechenden negativen Umweltbedigungen (Streß) ausgesetzt sind. Demnach würde eine eventuelle erbliche Anlage zur Schizophrenie nur zum Tragen kommen, wenn die Person eine belastende, kritische Entwicklung durchläuft.
Diencephalon: Hirnteil, das im wesentlichen den Thalamus und den Hypothalamus enthält. Der Thalamus verwaltet sensorische Eingänge und aktiviert einzelne Hirnteile. Der Hypothalamus reguliert Stoffwechselfunktionen, Körpertemperatur, Blutdruck, Schlaf und Appetit.
Disposition, genetische: die Erbanlage gibt immer den Rahmen vor, der dann durch die Umwelt ausgefüllt werden kann. Ein Kind von sehr großwüchsigen Eltern und Großeltern hat in der Regel auch die Anlage, groß zu werden. Bei negativen Bedingungen, Hunger, Unterernährung, wird es diese Disposition jedoch nur zum Teil ausnutzen können. Insbesondere bei einer möglicherweise bestehenden Disposition für eine psychische Erkrankung dürfte die Stabilität des Lebensumfeldes eine entscheidende Bedeutung haben.
Dissoziative Störung: Form einer Neurose mit plötzlicher Veränderung des Bewußtseins. Man unterteilt drei Formen der dissoziativen Störung: Bei der psychogenen Amnesie kommt es zum Vergessen der Lebensgeschichte, beim Somnambulismus zum Schlafwandeln und bei der Multiplen Persönlichkeit zur Zwei- oder Mehrteilung der Persönlichkeit eines Neurotikers.
Dopamin: Botenstoff im Gehirn (Transmittersubstanz). Dopamin wird von Nervenzellen ausgeschüttet, um eine benachbarte Nervenzelle zu aktivieren. Ein Mangel an Dopamin in bestimmten Hirnteilen (Substantia nigra) verursacht den Parkinsonismus. Ein Überschuß an Dopamin im Frontal- und Temporallappen des Großhirns ist möglicherweise für die Schizophrenie verantwortlich. Dopamin gehört zu den Monoaminen.
Double-bind-Theorie: Die klassische "double-bind"-Situation setzt ein abhängiges Kind voraus, das von der Mutter unbewußt abgelehnt wird. Die Mutter vermeidet Körperkontakt oder andere Formen der Zuwendung zum Kind. Gleichzeitig sagt sie jedoch ständig, daß sie ihr Kind gerne haben würde. Das Kind kann diesen Konflikt nicht lösen. Diese Theorie wurde eine Zeit lang zur Erklärung der Schizophrenie herangezogen.
Down-Syndrom: andere Bezeichnung für Mongolismus bzw. Trisomie 21. Das 21. Chromosom ist dreifach vorhanden. Es kommt zu typischen körperlichen Veränderungen (schräge Lidfalte, flaches Gesicht, verdickte Zunge) und bei einem Teil dieser Kinder auch zu geistiger Behinderung.
Drogenabhängigkeit: gewohnheitsmäßige Einnahme einer sozial akzeptierten Droge wie Alkohol, Nikoin, Koffein, Tranquilizer mit psychischer Abhängigkeit von dieser Droge jedoch ohne übermäßige körperliche Sucht.
Drogensucht: durch fortgesetzte Einnahme stärkerer Drogen (z.B. Alkohol, Heroin, Opium, Morphium) kommt es zur körperlichen Sucht. Bei Entzug der Droge entsteht ein schweres körperliches Abstinenzsyndrom mit Zittern, Schweißausbrüchen, Angstgefühlen, Gliederschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, unkontrollierbaren Muskelzuckungen und Kreislaufzusammenbruch. Zweites Merkmal der Drogensucht ist das ständig notwendige Zuführen immer höherer Dosen der Droge (Toleranzerhöhung), um überhaupt noch einen Rauschzustand erhöhen zu können.
DSM: Diagnostisches und Statistisches Manual psychischer Störungen der amerikanischen psychiatrischen Vereinigung. Handbuch zur Klassifikation psychischer Störungen wie der ICD-Katalog. Zur Zeit gültig ist das DSM-III-R.
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Echolalie: statt einer Antwort wird vom Patienten lediglich die Frage wiederholt. Echolalie taucht als Symptom bei autistischen Kindern und bei Schizophrenen auf. Bei autistischen Kindern werden zum Teil auch längere Textpassagen, z.B. Nachrichtensendungen, aus dem Kopf nachgesprochen. Es entsteht aber der Eindruck, daß die Personen den Sinn, dessen was sie sagen, dabei gar nicht erfassen.
Einsichtstherapie: bei dieser Psychotherapie soll der Patient mehr Einsicht in die oft unbewußten Motive für sein (neurotisches) Verhalten bekommen. Durch die Einsicht bezüglich der Ursachen seines Verhaltens ist er dann auch in der Lage die Symptome willkürlich zu beeinflussen.
Elektrakomplex: Umkehrung des bei Jungen ablaufenden Ödipuskomplex für das Mädchen. im Verlauf der phallischen oder ödipalen Phase (3.-5. Lebensjahr) verliebt sich das Mädchen in den Vater und wendet sich haßerfüllt gegen die Mutter. Der sogenannte "Penisneid" tritt auf. Nach dieser Phase kommt es zur Identifikation, zunächst oft mit dem Vater, meist verzögert mit der Mutter.
Elektroenzephalogramm (EEG): Nervenzellen leiten einen Reiz weiter, indem sie ihr elektrisches Potential ändern. Da oft große Gehirnbezirke aktiv sind, lassen sich solche elektrischen Veränderungen sogar noch auf der Kopfhaut messen. Hierzu werden Elektroden, die man vorher mit einer leitenden Creme versehen hat, auf die Kopfhaut gesetzt. Die abgeleiteten Ströme werden verstärkt und aufgezeichnet. Insbesondere epielptische Krampfpotentiale lassen sich hierdurch feststellen.
Elektrokrampftherapie: Bei der Elektrokrampftherapie wird mit etwa 70-150 Volt für die Zeitdauer von 1-10 Sekunden ein kurzer epileptischer Anfall hervorgerufen. Die Patienten sind hinterher verwirrt, haben Gedächtnisprobleme, sind aber sehr viel ruhiger. Das umstrittene Verfahren wurde insbesondere bei Schizophrenen und Depressiven seit den 30er Jahren durchgeführt, ist heute jedoch wegen erheblicher Risiken aus der Mode gekommen.
Empathie: Hineinversetzen in die Gefühle eines anderen Menschen. Empathie ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für die meisten psychotherapeutischen Verfahren.
Encephalitis: Entzündung des Gehirns z.B. durch Viren, durch Bakterien oder durch Pilze. Meist hohes Fieber, Kopf- und Nackenschmerzen, Bewußtseinsstörungen, Lähmungserscheinungen und epileptischen Anfällen.
Encephalitis lethargica: Schlafkrankheit, die besonders zu Beginn des Jahrhunderts von 1916-1919 durch Ansteckung in Mitteleuropa und den USA gehäuft auftrat. Hauptsymptom waren Lethargie und ausgedehnte Schlafperioden. Nach Ende der akuten Krankheit kam es bei den Patienten zu einem postencephalitischen Parkinsonismus, Narkolepsie (Narkolepsie) und Lähmungserscheinungen. Viele Patienten verharrten jahrelang völlig unbeweglich. Bekannt wurde diese Störung durch das Buch von Oliver Sacks "Awakenings - Zeit des Erwachens", bzw. den entsprechenden Kinofilm.
Endorphine: Untergruppe eines Neurotransmitters aus der Gruppe der Neuropeptide. Endorphine haben ähnliche Wirkungen wie Opiate, sie wirken euphorisierend und schmerzlindernd. Endorphine werden in glücklichen Situationen (verliebt, Lottogewinn) ausgeschüttet, aber auch bei großer körperlicher Anstrengung (euphorischer Zustand des Marathon-Läufers) und auch durch asketisches Hungern (z.B. bei der Magersucht).
Enkopresis: Einkoten. Enkopresis kann durch organische Ursachen entstehen (mangelnde Kontrolle des Schließmuskels) oder durch psychische Ursachen, besonders wenn andere Formen des Auslebens von Aggressionen gehemmt sind.
Enuresis: Einnässen. Enuresis kann durch organische Ursachen entstehen, bei mangelnder Kontrolle des Schließmuskels der Blase im Alter spricht man in der Regel von Inkontinenz, oder durch psychische Ursachen bedingt sein. An der nächtlichen Enuresis ist häufig ein abnorm tiefer Schlaf schuld, die Personen werden durch den Schmerzreiz der gefüllten Blase nicht geweckt. Einnässen am Tag hat fast immer eine aggressiv-trotzige Komponente gegen die Betreuungspersonenn als Ursache.
Entspannungstraining: Autogenes Training, Progressive Muskelrelaxatation, meditative Techniken oder Bio-Feedback dienen zum Erlernen von bewußter Entspannung, die dann zur Streßvermeidung eingesetzt werden kann.
Epilepsie: Krampfanfall. Beim großen Anfall bricht die Person plötzlich zusammen, überstreckt sich und hört kurzfristig auf zu atmen, dann zuckt sie für mehrere Minuten mit Armen und Beinen. Kleine Anfälle zeigen sich oft nur durch plötzliche, abrupte Bewegungen eines Armes oder des Oberkörpers. Die Neigung zu Anfällen kann angeboren sein oder durch eine Hirnschädigung, z.B. durch einen Hirntumor entstehen.
Eros: Lebens- oder Liebestrieb. in der psychoanalytischen Theorie von Sigmund Freud wurde jedes Verhalten letztlich auf den Liebestrieb zurückgeführt. Dessen Energie, die Libido (sexueller Drang), muß regelmäßig abgeführt werden. Erst später erkannte Freud, daß insbesondere aggressives Verhalten nicht allein mit dem Eros erklärt werden kann und führte den Thanatos (Todestrieb) als Gegenspieler ein.
ES: Teil der Persönlichkeit in der Lehre von Sigmund Freud. Das ES ist schon bei der Geburt vorhanden und ist der Sitz sämtlicher Triebe und Bedürfnisse. Das ES verlangt nach sofortiger Befriedigung und duldet keinen Aufschub. Damit gerät es in häufige Konflikte mit den moralischen Normen des ÜBER-ICHs, die aufgrund einer realitätsorientierten Vermittlung des ICH durch Kompromisse aufgelöst oder aber abgewehrt werden müssen.
Exhibitionismus: Vorzeigen der Geschlechtsteile (Penis, Vagina, Brüste, Gesäß) mit dem Ziel, sexuelle Erregung zu erreichen, während ein Zuschauer an diesem Schauspiel Interesse zeigt. Das Besondere dieses Verhaltens liegt darin, daß es sich erstens um einen sexuellen Kontakt auf Distanz handelt, wobei in den meisten Fällen der Passant diese Konfrontation nicht erwartet, und zweitens werden unbekannte Zuschauer (Männer, Frauen und Kinder) bevorzugt. Exhibitionisten können sowohl Männer als auch Frauen sein. Darunter befinden sich auch homosexuelle oder lesbische ExhibitionistInnen. Gleichgeschlechtliche Neigungen schließen die Lust am Zeigen nicht aus. Exh. Handlungen im Sinne des § 183 StGB (Strafgesetzbuch) gelten als krankhaft und als Sucht, weil sie von der Gesellschaft als abnorm empfunden, kriminalisiert und geächtet werden. ExhibitionistInnen sind oft durchaus in der Lage, normalen Geschlechtsverkehr auszuüben und befinden sich mitunter im ehelichen Status. Die weitverbreitete Ansicht, Exhibitionisten würden ihre sexuelle Lust aus dem Erschrecken ihrer BetrachterInnen gewinnen, Angst oder Panik könne die Erregung steigern, ist nicht richtig. Ängste entstehen oft, weil sich der Exhibitionist aus Angst vor juristischen Folgen verstecken muss und somit seine Zurschaustellung "aus heiterem Himmel" vornimmt.
Extraversion: eine der grundlegendsten Persönlichkeitseigenschaften. Extravertierte Personen sind nach außen gerichtet und verhalten sich kontaktreich, sie suchen Anregung und Stimulation und sind wenig ängstlich. Das Gegenteil ist Introversion. Introvertierte sind in sich gekehrte, schüchterne und sehr ängstliche Menschen. Die meisten Menschen liegen aber irgendwo in der Mitte dieser Skala.
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Familientherapie: Psychotherapieform, die davon ausgeht, daß nicht ein einziges Familienmitglied krank ist, sondern daß sich Konflikte der Familie lediglich im schwächsten Glied niederschlagen. Daher muß auch die ganze Familie behandelt werden. Familientherapie bildete den ersten Ansatz für eine Gruppe von Behandlungsverfahren, die heute unter dem Namen "systemische Therapie" zusammengefaßt werden.
Fetischismus: an die Stelle eines lebenden Menschen tritt hier ein Objekt ("Fetisch") zum Ausleben des Geschlechtstriebes. Fetischisten stehlen häufig Gegenstände wie z.B.: getragene Slips, benutzte Damenschuhe, gebrauchte Tampons usw.; eine besondere Form ist der Gummi- oder Leder-Fetischismus, hier muß der Partner entsprechende Kleidung tragen.
Fixierung: Abwehrmechanismus aus der Psychoanalyse von Sigmund Freud. Es kommt zur Fixierung auf eine Phase der psychosexuellen Entwicklung, wenn in dieser Phase besonders viel oder aber besonders wenig Befriedigung vorhanden war. Bei Problemen im späteren Leben entsteht eine Rückentwicklung (Regression) auf diese Phase. Eine Person, die in der oralen Phase (1. Lebensjahr) besonders von der Mutter verwöhnt wurde, wird in frustrierenden Situationen des Erwachsenenalters auch versuchen, durch orale Betätigung (Essen, Trinken) eine Kompensation für Unlustgefühle aufzubauen. Fixierung auf die orale Phase könnte dann als Ursache für Alkoholismus oder Fettleibigkeit gesehen werden.
Forensische Psychologie/Psychiatrie: Gerichtsgutachten z.B. über Schuldminderung infolge einer psychischen Störung.
Formatio reticularis: Struktur im Zentrum des Hirnstammes, die eine wichtige Rolle bei Aktivation spielt, insbesondere zur Aufrechterhaltung von Aufmerksamkeit.
FPI: Freiburger Persönlichkeits Inventar. Ein Persönlichkeitsfragebogen zur Erfassung der Charakterstruktur. Derzeit gültig ist der FPI-R, eine überarbeitete Version. Der Test umfaßt 138 Fragen, die mit "stimmt" oder mit "stimmt nicht" beantwortet werden müssen. Der Fragebogen wurde an über 2000 Personen normiert und erlaubt damit auch Aussagen, welche Merkmalsausprägung noch im Normalbereich liegt und welche bereits auffällig ist. Für die Auswertung wird ein Profil gezeichnet mit den Faktoren: Lebenszufriedenheit, Soziale Orientierung, Leistungsorientierung, Gehemmtheit, Erregbarkeit, Aggressivität, Beanspruchung, körperliche Beschwerden, Gesundheitssorgen, Offenheit, Extraversion und Emotionalität. Es handelt sich um eines der am häufigsten durchgeführten Testverfahren.
Freud, Sigmund: Sigmund Freud (1856-1939) studierte in Wien Medizin und eröffnete dann eine Privatpraxis für Neurologie. 1885 lernte er bei Charcot in Paris, daß viele körperliche Störungen einen psychischen Hintergrund haben und führte dann in Zusammenarbeit mit dem Wiener Arzt Josef Breuer Hypnose zur Behandlung von psychisch Gestörten durch.1886 heiratete er Martha Bernays. Freud entwickelte dann mit der Technik der "freien Assoziation" eine Behandlungsweise um an verdrängte psychische Erlebnisse zu kommen, die der Hypnose überlegen war. Freud praktizierte über 40 Jahre in Wien und behandelte Patienten, sein Honorar von umgerechnet 30,- Mark pro Stunde war für die damaligen Zeiten schon ausgesprochen hoch, was Freud mit dem Satz rechtfertigte: "Eine Behandlung, die umsonst ist, ist umsonst". Aus der psychoanalytischen Arbeit mit seinen Patienten leitete Freud eine eigene Persönlichkeitstheorie ab, die er in einer Vielzahl von Büchern veröffentlichte. Aufgrund seiner Studien insbesondere über die Phasen der psychosexuellen Entwicklung von Kindern, wurde er in der Wissenschaft zunächst verspottet, die Damen erröteten alleine bei der Nennung seines Namens, auch die Kirche wandte sich gegen ihn. Erst um 1930 hatte sich seine Lehre weltweit durchgesetzt, so daß Freud viele Ehrungen zuteil wurden. 1938 wurde er, da er Angehöriger des jüdischen Glaubens war, von den Nazis verhaftet. Prinzessin Maria Bonaparte zahlte jedoch eine hohe Kaution für ihn und Freud konnte nach London emigrieren. Nach einem langen Leiden an Zungenkrebs starb er hier 1939. Seine Tochter Anna, das jüngste und liebste seiner sechs Kinder, setzte sein Lebenswerk fort und entwickelte insbesondere die Kinderanalyse weiter.
Frontallappen: vorderer Hirnteil. Der Frontallappen hat hauptsächtlich die Aufgaben der Bewegungssteuerung. Hierbei steuert der in der linken Hirnhälfte sitzende Teil des Frontallappens die rechte Körperhälfte und umgekehrt. Im orbitalen Teil, über den Augen sitzen Persönlichkeitseigenschaften. Auch das Broca-Sprachzentrum gehört zum Frontallappen. Durch Schädigung kommt es zur Halbseitenlähmung (Hemiplegie, Hemiparese) und zur Broca-Aphasie, einem Sprachausfall mit schweren Wortfindungsstörungen.
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Galvanische Hautreaktion: der Hautleitwiderstand für schwache elektrische Ströme ändert sich mit Schweißsekretion und Durchblutung der Haut. der galvanische Hautwiderstand ändert sich relativ rasch und zuverlässig durch Emotionen wie Angst, Wut, Ärger. Die Messung des galvanischen Hautwiderstandes stellt damit die Basis für Lügendetektoren dar, da der Betreffende diese Reaktion nicht willentlich beeinflussen kann. Wurde eine Person z.B. mit einem Kerzenleuchter erschlagen, wird vermutlich nur der Täter auf das Wort "Kerzenleuchter" eine Änderung des Hautwiderstandes zeigen, nicht aber eine unschuldige Person. Die Geräte werden auch zum Üben von Entspannung (Biofeedback) eingesetzt.
Gedächtnisstörungen: man unterscheidet Störungen des Kurzzeitgedächtnisses (Merkspanne, z,B. Zahlenfolgen behalten), des Mittelzeitgedächtnisses (Arbeitsgedächtnis, eine Information über mehrere Stunden behalten) und des Langzeit- oder Altgedächtnisses (eigene Lebensgeschichte erinnern). Gedächtnisstörungen insbesondere im Bereich des Mittelzeitgedächtnisses treten bei den meisten Hirnschäden auf.
Gegenkonditionierung: Methode der Verhaltenstherapie, die davon ausgeht, daß Fehlverhalten erlernt ist und daher auch wieder verlernt werden kann. Ein angstauslösender Reiz wird mit etwas Positivem gekoppelt, so daß die Angst sich allmählich verliert.
Geistige Behinderung: in der Regel angeborene Form des Intelligenzdefizits mit einem Intelligenzquotienten von unter 70. Neben verminderter Lernfähigkeit kommt es auch zu sozialen Schwierigkeiten und Problemen sich im Alltagsleben selbständig zu versorgen. Ein langjähriges Training kann jedoch oft entscheidene Besserung bringen.
Gemeindepsychologie: Diese Therapieform versucht eine Behandlung von Schwierigkeiten im natürlichen Umfeld der psychisch erkrankten Person. Eine stationäre Behandlung psychisch Kranker hat nach Ansicht der Verfechter dieser Therapieform wenig sinn, wenn man die krankmachende Umgebung nicht verändert und der Patient später wieder in dasselbe Umfeld entlassen wird.
Gen: Jede Zelle besitzt Chromosomen und jedes Chromosom besteht aus einer großen Anzahl von Genen, den Trägern unserer Erbinformation. Nach heutigem Wissen bestimmen Gene nicht nur das körperliche Aussehen, sondern auch charakterliche Grundzüge. Beides kann jedoch durch Umwelteinflüsse erheblich moduliert werden.
Gesprächspsychotherapie: die klientenzentrierte Gesprächsführung geht davon aus, daß nur das Individuum selbst weiß, welche Entscheidungen richtig für sein eigenes Leben sind. Ratschläge, Vorwürfe oder Besserwisserei helfen daher nicht. Die Aufgabe eines guten Beraters ist aktives Zuhören, Wiederholung der Inhalte des Gesprächspartners in eigenen Worten, Herausfinden der Gefühle des anderen und Versuche, den anderen zu bewegen, eine selbständige Entscheidung für seine Probleme zu treffen. Diese Behandlungsform wurde vorwiegend von dem Amerikaner Carl Rogers entwickelt.
Gestalttherapie: diese psychologische Therapierichtung ermutigt den psychisch Kranken dazu, über künstlerische Tätigkeiten wie Zeichnen oder Malen, durch Rollenspiele und andere Übungen, sich vermehrt mit den eigenen Gefühlen auseinanderzusetzen. Es handelt sich um eine humanistische Behandlungsform, die von Fritz Pearls entwickelt wurde, mit dem Ziel vorher unterdrückte Anteile der Persönlichkeit wieder zu einer guten Gestalt zu integrieren.
Grand Mal: großer generalisierter Anfall, der mit einer Aura beginnt (kurze Sinnestäuschung). Der Patient stürzt dann hin, überdehnt alle Muskeln und hält den Atem an (tonische Phase), danach fängt er für 1-2 Minuten an, mit den Gliedmaßen zu krampfen (klonische Phase). Danach fällt er in den Terminalschlaf. Hinterher fehlt jede Erinnerung an den Anfall, der Patient fühlt sich aber müde und zerschlagen.
Graue Zellen: Teile der Hirnrinde, die überwiegend aus Nervenzellen und deren Dendriten bestehen. Die graue Substanz wird von der weißen Substanz des Gehirns abgegrenzt, die aus myelin-umhüllten Axonen bestehen, welche eine Information zu weiter im Gehirn entfernten Stellen leiten.
Größenwahn: häufiges Symptom der paranoiden Schizophrenie und der endogenen Manie. Die Patienten glauben zum Beispiel, der Sohn Gottes zu sein, der diese Welt retten soll. Manche haben das Gefühl einer unendlichen Glücksträhne, sie borgen hohe Geldbeträge, die sie dann in Glückspiel oder gefährlichen Spekulationen aufs Spiel setzen. Die Patienten sind mit Worten von ihrem Größenwahn nicht abzubringen.
Großhirn: Telencephalon, aus rechter und linker Hemisphäre bestehender Teil des Gehirns, jeweils mit Frontal-, Parietal-, Temporal- ond Occipitallappen. Das Großhirn ist Sitz unseres Bewußtseins und Denkvermögens, es verarbeitet aber auch alle Wahrnehmungsvorgänge.
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Habituation: Gewöhnung. Ein ständig vorhandenes, gleichlautes Geräusch oder ein gleichstarker Druck auf der Haut wird nach einiger Zeit nicht mehr wahrgenommen. Lediglich Schmerzreize habituieren nicht. Von Habituation spricht man in Verbindung mit Drogen auch von deren gewohnheitsmäßiger Einnahme, etwa bei einem französischen Weinbauern, der zu jeder Mahlzeit einige Gläser Wein trinkt ohne direkt süchtig zu sein.
Hämatom: Bluterguß. Ein subdurales oder extradurales Hämatom kann durch das austretende Blut soviel Druck auf das Gehirn aussüben, daß es zu schweren Schäden kommen kann. Dadurch, daß der Schädel eine geschlossene Höhle bildet, kann dieser Druck nirgendwo entweichen.
Halluzinationen: Eines der wichtigsten Symptome der Schizophrenie, das aber auch bei akuter Hirnschädigung oder bei einer Demenz auftreten kann (sog. exogene Psychose). Die Patienten hören Stimmen sprechen, die real gar nicht existieren. Manche sehen Gegenstände, Tiere oder Personen, die in Wirklkichkeit nicht vorhanden sind. Seltener sind geruchliche oder geschmackliche Halluzinationen.
Halluzinogene: Drogen mit "bewußtseinserweiternder" Wirkung. Hierzu gehören insbesondere LSD, Mescalin, Psilocybin. Nach Einnahme dieser Drogen kommt es zu Erscheinungen wie Depersonalisation, irrealem aber scheinbar bewußtseinsklarem Denken, visuellen Illusionen und Halluzinationen. Der Rauschzustand läßt nach 2-10 Stunden nach. Eine körperliche Sucht mit Entzugserscheinungen besteht nicht, es kann aber zur psychischen Abhängigkeit kommen. Halluzinigene lösen möglicherweise einen schizophrenen Zustand aus.
HAWIE: Hamburg-Wechsler Intelligenztest für Erwachsene. Eines der am gebrächlichsten Verfahren zur Untersuchung der Intelligenz. Im HAWIE werden elf Bereiche geprüft: Allgemeines Wissen, allgemeines Verständnis, Zahlennachsprechen, Rechnerisches Denken, Gemeinsamkeitenfinden, Wortschatz, Zahlen-Symbol-Test, Bilderordnen, Bilderergänzen, Mosaik-Test, Figurenlegen.
Hebephrenie: Form der Schizophrenie. Ausbruch gehäuft in der späten Pubertät. Typische Symptome sind: Veränderungen der Affekte, ständiges Kichern und albernes Gehabe, Grimassieren, Denkzerfahrenheit, Gedächtnis- und Konzentrationsschwierigkeiten. Die sonst typischen Symptome wie Wahnvorstellungen und Halluzinationen sind bei dieser Form eher selten.
Hemianopsie: Ausfall des Sehvermögens in der rechten oder linken Hälfte (hemi = halb) des Gesichtsfeldes. Bei homonymen Quadrantenanopsien findet sich diese Halbseiten-Blindheit auf beiden Augen und ist dem Patienten häufig nicht bewußt. Ursache ist in diesem Fall die Schädigung des Sehzentrums im Okzipitallappen, z.B. durch einen Infarkt der hinteren Hirnarterie (Arteria cerebri posterior) oder durch einen Unfall. Seltenere Ursachen für Hemianopsien, die sich nur auf einem Auge finden, sind Netzhautschäden (eher fleckenförmige, unregelmäßige Ausfälle) oder die Quetschung des Sehnerven (eher kreisförmige Einengung des Gesichtsfeldes von außen) infolge eines Unfalls oder eines Hirntumors.
Hilflosigkeit, erlernte: Konzept von Seligman. Tiere, die gelernt hatten, daß sie einem Strafreiz durch eigenes Tun nicht entkommen konnten, verhalten sich auch in anderen Situationen passiv und hilflos. Seligman hält dies für eine mögliche Ursache der Depression beim Menschen.
Hippocampus: Struktur im Temporallappen des Gehirns, die wesentlich für das Funktionieren des Gedächtnisses verantwortlich ist.
Hirnorganisches Psychosyndrom ("Hops"): psychoseartiges Syndrom, das auf eine Funktionsstörung des Gehirns zurückzuführen ist. Im Vordergrund stehen Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, bei eingeschränkter Bewußtseinshelligkeit. Daneben treten aber oft auch Halluzinationen und Wahnvorstellungen auf. Wenn die ursächliche Krankheit heilbar ist, dann verschwindet auch das hirnorganischge Psychosyndrom wieder.
Hirnstamm: unterer Teil des Gehirns mit der Medulla oblongata, Pons, Mesencephalon, Diencephalon und weiteren subkortikalen Teilen des Gehirns. Der Hirnstamm grenzt sich insbesondere ab von den beiden Großhirnhälften (Neocortex) und dem Kleinhirn (Cerebellum).
Hirntumor: gut- oder bösartiges Geschwulst im Gehirn. Langsam wachsende Tumore verdrängen Hirngewebe so allmählich, daß in vielen Fällen kaum Schäden auftreten, da das Gehirn Zeit hat die ausgefallenen Funktionen zu kompensieren. Durch moderne Methoden der Neurochirurgie überleben heute nahezu alle Patienten die operative Entfernung eines Hirntumors.
Hops: Kürzel für "hirnorganisches Psychosyndrom".
Hormon: chemische Botenstoffe, die von endokrinen Drüsen im inneren unseres Körpers produziert und meist in den Blutkreislauf abgegeben werden. Wichtigste Hormonproduzenten sind die Hypophyse, die Schilddrüse und die Nebennieren. Mit Hormonen werden viele körperliche Prozesse beeinflußt (z.B. Herzschlag, Nierenfunktion, Verdauung, Wachstum, Hunger und Durst, Sexualität usw.), bei Fehlern der Hormonproduktion kann es zu schwerwiegenden Krankheiten kommen (z.B. Kretinismus). Nach heutigem Wissen können Hormone auch vielfältige Auswirkungen auf psychische Prozesse haben.
Hyperaktivität: übermäßige körperliche Unruhe, Drang, sich ständig zu bewegen. Die Personen können nicht längere Zeit stillsitzen und sich mit einer Sache beschäftigen. Bei Kindern wird als Ursache ein angeborener Hirnschaden (MCD = minimale cerebrale Dysfunktion) vermutet.
Hyperthyreose: Schilddrüsenüberfunktion. Diese Patienten leiden neben bestimmten körperlichen Störungen meist auch unter psychischen Symptomen wie Stimmungslabilität, Neigung zu Tränenausbrüchen oder zu Jähzorn, Schlafstörungen, allgemeiner Nervosität und Aktivitätsdrang. Mit medikamentöser oder operativer Behandlung der Hyperthyreose verschwinden auch diese Symptome.
Hypertonie: Bluthochdruck. Durch andauernden Streß kommt es häufig zu einer Hypertonie mit entsprechend höherem Risiko für einen Infarkt. Insbesondere von "essentieller Hypertonie" spricht man, wenn kein organischer Grund für den Bluthochdruck gefunden wurde, sondern psychosomatische Ursachen vorliegen. Hypertonie verursacht eine Reihe von Schäden an den Arterien und steigert das Infarktrisiko.
Hyperventilation: in Relation zum körperlichen Bedarf viel zu schnelles Atmen . Ursache ist meist ein Angstgefühl ohne konkreten Anlaß, in das die betroffene Person sich hineinsteigert. Durch die Hyperventilation kommt es zum Abfall des Kohlendioxidgehalts im Blut und dadurch zu Schwindel und Benommenheit, die die Angstgefühle noch weiter verstärken und den Patienten oft noch schneller atmen lassen. Dieser Kreislauf kann bis zur Bewußtlosigkeit führen, ist aber trotz der subjektiven Angst nicht lebensbedrohlich. Hilfe: zeitweilioges Atmen in eine Plastiktüte erhöht den CO2-Gehalt wieder, darf allerdings nur in Anwesenheit einer weiteren Person durchgeführt werden, sonst droht Erstickung in der Plastiktüte, falls doch eine Bewußtlosigkeit auftritt.
Hypnose: von einem Behandler induzierter Trancezustand, in dem das rationale Bewußtsein ausgeschaltet ist, der Patient bleibt jedoch handlungsfähig. Der Trancezustand wird meist durch ein Entspannungsverfahren eingeleitet. Charcot konnte durch Hypnose Patienten von hysterischen Lähmungen heilen (Hysterie). Sigmund Freud kam von der Hypnose als Behandlungsverfahren für psychische Störungen jedoch bald wieder ab und entwickelte eigene Methoden.
Hypochondrie: Form einer neurotischen Störung. Hypochonder steigern sich in den Glauben hinein, unheilbar krank werden zu können oder zu sein. Ansteckungsgefahren und Risiken krank zu werden, werden völlig übersteigert eingeschätzt. Der Hypochonder ist ständig mit seinem körperlichen Zustand beschäftigt. Alleine die Furcht, krank zu werden, fördert häufige Dysfunktionen, die der Hypochonder dann als Beweise für die Richtigkeit seiner Ängste nimmt.
Hypothalamus: Hirnteil im Zwischenhirn unter dem Thalamus. Der Hypothalamus lenkt die Wärmeregulation, den Wach-Schlaf-Rhythmus, Blutdruck, Atmung, Hunger, Durst und Sexualität. Hierzu gehört vor allem auch die Hypophyse, die Hormone in die Blutbahn abgibt und damit das vegetative Nervensystem steuert.
Hysterie: als Fachausdruck ist hiermit meist eine Form der Neurose gemeint, die sich im wesentlichen durch Lähmungen, Sensibilitätsstörungen oder Blindheit kennzeichnen läßt. Diese scheinbar körperlichen Symptome haben jedoch keinerlei somatische Ursache und verschwinden unter Hypnose. Freud zählte auch Schlafwandeln, multiple Persönlichkeit und die psychogene Amnesie, das völlige Vergessen der eigenen Lebensgeschichte, mit zu den hysterischen Neurosen. Dem gängigen Bild der Hysterie nähert sich eher die hysterische Persönlichkeitsstörung, die zu übermäßig dramatischem Verhalten neigt und reizbar, unreif und egozentrisch ist.
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ICD: International Classifikation of Diseases = internationale Klassifikation von Krankheiten, zur Zeit ist der ICD-10 gültig. Dieser Katalog umfaßt alle bekannten Krankheiten mit Symptomen und Ausschlußdiagnosen, um einheitliche Statistiken zu erlauben.
ICH: Teil der Persönlichkeit in der psychoanalytischen Theorie. Das ICH hat vorwiegend bewußte Anteile und sitzt als Vermittler zwischen dem ES (angeborene Bedürfnisse) und dem ÜBER-ICH (Normen, Gebote, Verbote). Sowohl die Triebe des ES wie auch die Verbote des ÜBER-ICH werden vom ICH an die Realität angepaßt.
Ideenflucht: Denkstörung bei der Schizophrenie und bei manischen Erkrankungen. Der Patient leidet unter einem ständigen Zustrom von Gedanken und Assoziationen, die er weder filtern noch für längere Zeit behalten kann. Das Denkziel und der eigentliche Leitgedanke verschwinden ständig und werden von anderen, meist unwichtigen Gedanken ersetzt.
Idiot savant: "Idiotie" war neben Debilität und Imbezillität früher ein Fachausdruck für geistige Behinderung. Der Idiot savant zeigt eine allgemeine geistige Retardierung mit einem geringen IQ, in einem Einzelgebiet aber werden ganz erstaunliche Leistungen vollbracht, die oft weit über das Leistungsvermögen eines normalen Menschen hinausgehen. So können manche dieser Personen Primzahlen bis zu fünfstelliger Höhe aufsagen oder, scheinbar ohne nachzudenken, sagen, auf welchen Wochentag ein beliebiges Datum der Vergangenheit oder der Zukunft fiel buzw. fallen wird. Die Betroffenen selbst haben in der Regel keinerlei Erklärung für diese Fähigkeit.
Imipramin: Antidepressiv wirkendes Medikament.
Impotenz: Unvermögen. Meist bezogen auf das sexuelle Verhalten des Mannes eine für den Geschlechtsverkehr ausreichende Erektion zu bekommen. Neben häufigen körperlichen Ursachen (z.B. Diabetes, Alkoholismus, Hypophysentumor, Einnahme von Beta-Blockern) spielen psychische Faktoren eine große Rolle, z.B. Erwartungsangst, Leistungsdruck, Attraktivitätsverlust der Partnerin im Alter. Seltener spricht man auch von "sozialer Impotenz", dem Unvermögen, soziale Kontakte und Freundschaften aufzubauen.
Indolamine: Gruppe von Transmittersubstanzen, Botenstoffen im Gehirn. Hierzu gehören z.B. Serotonin und Tryptophan. Eine andere Gruppe bilden z.B. die Katecholamine.
Infarkt: Verstopfung einer Arterie. Durch verschleppte Blutgerinsel, insbesondere bei vorhandener Einengung der Gefäße infolge cholesterinreicher Ernährung, kommt es zum Verschluß dieser Ader. Das gesamte davon versorgte Gebiet erhält nun kein Blut mehr und stirbt ab. Abhängig vom Ort spricht man vom Herzinfarkt, vom Lungeninfarkt und vom Hirninfarkt (Apoplex, Schlaganfall). Ist nur ein kleines Gefäß betroffen, so sind die Auswirkungen oft nur gering, bei großen Arterien entstehen lebensbedrohliche Zustände.
Instrumentelle Konditionierung: anderer Ausdruck für Belohnungslernen oder operante Konditionierung. Nach dieser an Tieren entwickelten Theorie wird ein Verhalten häufiger gezeigt, wenn es mit einer als angenehm empfundenen Konsequenz belohnt wird. Umgekehrt nimmt die Verhaltenshäufigkeit durch Strafreize ab.
Intelligenz: Denkvermögen. Man unterscheidet die flüssige Intelligenz, das allgemeine, abstrakte Denkvermögen von der verfestigten Intelligenz, das bildungsabhängig-erlernt ist. Intelligenz wird mit psychologischen Tests gemessen und umfaßt eine große Anzahl verschiedener Teile wie Sprachverständnis, Rechenfähigkeit, Gedächtnisfunktionen, Wahrnehmungsgeschwindigkeit, praktisch-konkrete Begabung und anderes.
Introspektion: Analyse eigener Denk- und Wahrnehmungsvorgänge. Introspektion war die wichtigste wissenschaftliche Untersuchungsmethode der Psychologie am Ende des 19. und am Anfang des 20. Jahrunderts. Durch kritische Beobachtung eigener Verhaltensweisen lassen sich häufig auch Persönlichkeitsmodelle entwickeln und Rückschlüsse auf die Entstehung psychischer Krankheiten ziehen.
Involutionsdepression: Form einer depressiven Störung, die während oder nach den Wechseljahren bei der Frau auftritt. Diese Depression hat vermutlich vorwiegend hormonelle Ursachen, ist aber auch reaktiv durch wachsenden Funktionsverlust der Frau in diesem Alter bedingt. Dadurch, daß die Kinder in diesem Altersbereich erwachsen werden und das Elternhaus verlassen, tritt eine der Pensionierungsproblematik sehr ähnliche Problemsituation für viele Frauen schon zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr auf.
Introversion: grundlegende Persönlichkeitseigenschaft, Gegenteil zu Extraversion. Introvertierte Personen nehmen ihre Gefühle sehr viel mehr zur Kenntnis als extravertierte, sie reagieren schneller ängstlich. Gewöhnlich haben sie weniger soziale Kontakte, verhalten sich eher schüchtern und neigen dazu, übermäßige Stimulation, etwa das Fahren mit der Achterbahn auf dem Volksfest, zu vermeiden. Introvertierte haben damit ein höheres Risiko, neurotisch zu werden.
IQ: Intelligenz-Quotient. Ergebnis des Intelligenztests. Der rechnerische Durchschnitt beträgt IQ 100. Über die Hälfte der Bevölkerung liegen im mittleren Bereich von IQ 85 bis IQ 115. Ein IQ von 70 - 85 wird als unterdurchschnittlich bezeichnet und ein IQ von weniger als 70 mit weit unterdurchschnittlich, dies entspricht der geistigen Behinderung. 14% der Bevölkerung haben einen IQ zwischen 115 und 130 und nur noch 2% erreichen einen höheren IQ als 130.
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Jackson-Anfälle: Form der Epilepsie. Petit-Mal-Anfall, bei dem die Krämpfe auf einen bestimmten Körperteil oder eine einzelne Muskelgruppe beschränkt bleiben.
Jakob-Creutzfeld-Krankheit: siehe Creutzfeld-Jakob-Krankheit.
Jaktationen: rhythmische Schaukel- oder Schüttelbewegungen, die zur Beruhigung absichtlich herbeigeführt werden. Schon auf Säuglinge hat es eine beruhigende, einschläfernde Wirkung, wenn man sie wiegt. Vernachlässigte Menschen mit einem Mangel an Zuwendung versuchen über diese Schaukelbewegungen eine Selbstzuwendung zu erreichen. Jactationen haben nicht nur eine beruhigende Wirkung, sie können auch der Abfuhr von Bewegungsdrang dienen. Ständige Schaukelbewegungen mit dem Oberkörper oder auch nur dem Kopf deuten meist darauf hin, daß hier ein Mangelzustand an Empathie oder sinnvoller Beschäftigung vorliegt.
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Katatonie: Bewegungsstörung die insbesondere bei der danach benannten Katatonen Schizophrenie auftritt. Es kommt entweder zu katatonen Erregungszuständen mit wildem Umherrennen des Patienten und häufig aggressiven oder autoaggressiven Verhaltensweisen. Oder aber es kommt zur Bewegungsverlangsamung, etwa der Katalepsie (wächserne Starre, erhebliche Verlangsamung aller Bewegungen) oder im schlimmsten Fall zum katatonen Stuper, der völligen Bewegungsunfähigkeit über Stunden bis Tage.
Katecholamine: Gruppe von Transmittersubstanzen, Botenstoffen im Gehirn. Hierzu gehören zum Beispiel Dopamin, Adrenalin, Noradrenalin und Tyrosin. Eine andere Gruppe sind z.B. die Indolamine. Obergruppe sind die Monoamine.
Katharsis: Seelenreinigung. Durch das Aufdecken eines verdrängten Komplexes infolge einer psychoanalytischen Behandlung kommt es zum nochmaligen Durchleben damaliger Emotionen, die eine solche Katharsis zur Folge haben. Hierdurch verringert sich auch die neurotische Symptomatik.
Klassifikationsschema: psychische Krankheiten werden nach dem ICD-Katalog klassifiziert (International Classification of Diseases). Unter dem Punkt "F", umfaßt der ICD-Katalog auch zehn Gruppen psychischer Krankheiten, dies sind: F0 = organische, einschließlich symptomatischer psychischer Störungen; F1 = psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen; F2 = Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen; F3 = Affektive Störungen; F4 = Neurotische- Belastungs- und somatoforme Störungen; F5 = Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen oder Faktoren; F6 = Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen; F7 = Intelligenzminderung; F8 = Entwicklungsstörungen; F9 = Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend; F99 = nicht näher bezeichnete psychische Störungen.
Klassisches Konditionieren: von dem russischen Physiologen I.P. Pawlow im Tierversuch an Hunden entdeckt. Ein Reflex, z.B. Speichelfluß bei Geruch nach schmackhaftem Essen, kann mit einem völlig neutralen Reiz, der sonst nichts auslöst, z.B. einem Glockenton, verbunden werden. Nach mehrmaliger Wiederholung löst schon der Glockenton alleine, in reiner Erwartung des Essens, Speichelfluß aus. Klassisches Konditionieren spielt auch beim Menschen als Methode des Lernens eine große Rolle. Neuerdings wird es z.B. als Erklärung herangezogen, warum Menschen ausgerechnet auf bestimmte Substanzen allergisch reagieren.
Klaustrophobie: völlig übersteigerte Angst vor engen Räumen. Der Klaustrophobiker reagiert mit einer panikartigen Angstattacke, wenn er aus einem engen Raum nicht mehr ohne weiteres entkommen kann. Fahrstühle oder Ski-Lifts werden völlig gemieden.
Kleinhirn: Cerebellum. Unter dem Hinterhauptlappen in einer Schädelgrube liegender Hirnteil mit zahlreichen Furchen und Windungen. Das Kleinhirn steuert insbesondere das Gleichgewicht und kombiniert Einzelbewegungen zu einem flüssigen Bewegungsablauf.
Klientenzentrierte Psychotherapie: die klientenzentrierte Psychotherapie geht davon aus, daß nur der Klient selbst weiß, was richtig für sein eigenes Leben ist. Die Aufgabe des Therapeuten ist aktives Zuhören, Wiederholung der Inhalte des Gesprächspartners in eigenen Worten, Herausfinden der Gefühle des anderen und Versuche, den anderen zu bewegen, eine selbständige Entscheidung für seine Probleme zu treffen. Das Ziel besteht darin, der behandelten Person zu helfen neue Möglichkeiten im Leben zu verwirklichen.
Klinefelter-Syndrom: Chromosomen-Störung, ein Teil dieser Patienten zeigt auch Intelligenzmängel. Statt der Geschlechtschromosomen XY meist XXY.
Klonische Phase: Phase der Epilepsie, mit abwechselndem krampfhaften Zusammenziehen und Erschlaffen der Arme und Beine.
Kognition: Denkvorgänge. Kognitive Funktionen sind zum Beispiel: Erkennen und Verstehen. Kognitionen bilden die Voraussetzung für Intelligenz.
Kognitives Umstrukturieren: Minderwertigkeitskomplexe und soziale Schwierigkeiten entstehen oft durch negative Gedankengänge ("Ich mache alles falsch!", "Die anderen sind besser.", "Niemand mag mich.", "Ich hasse diese Arbeit."), die den betreffenden Personen immer wieder durch den Kopf gehen. Die Therapiemethode des kognitiven Umstrukturierens deckt diese stereotypen Gedanken auf und ersetzt sie durch positive ("Ich werde das schon schaffen...").
Koma: schwerster Grad der Bewußtlosigkeit. Der Patient ist nicht mehr ansprechbar, reagiert nicht mehr und ist auch durch starke Schmerzreize nicht mehr weckbar. Ein Koma entsteht meist durch Schädel-Hirn-Traumen (Unfälle) oder durch Vergiftungen, aber auch z.B.durch Über- oder Unterzuckerung (diabetisches Koma).
Konditionieren: Herstellung einer Verbindung zwischen zwei verschiedenen Reizen. Man unterscheidet das Klassische Konditionieren vom operanten Konditionieren.
Konfabulation: Auffüllen von Gedächtnislücken mit frei erfundenen Sachverhalten oder mit Erinnerungen, die aus einer weitaus früheren Episode der Lebensgeschichte stammen. Den betreffenden, gedächtnisgestörten Patienten ist jedoch meist nicht klar, daß sie konfabulieren, sondern sie glauben an die Wahrheit ihrer scheinbaren Erinnerung.
Konversionsneurose: Untergruppe der Hysterie. Durch Ausbildung einer körperlichen Krankheit wie Lähmung oder Blindheit versucht der Neurotiker hierbei ein an sich unlösbares zwischenmenschliches Problem doch zu lösen. Konversionsneurosen waren besonders häufig Ende des 19.Jahrhunderts, oft standen sexuelle Probleme dahinter.
Korsakow-Syndrom: psychische Störung mit Gedächtnisausfällen, die typischerweise durch Konfabulation aufgefüllt werden und mit Orientierungsschwierigkeiten. Ursache ist meist langjähriger Alkoholismus oder eine Hirnatrophie anderer Ursache.
Kortison / Kortisol: siehe Cortison/Cortisol
Kretinismus: Schädigung des ungeborenen Kindes durch eine Schilddrüsenfehlfunktion der Mutter. Neben körperlichen Störungen sind viele dieser Kinder auch geistig behindert.
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Längsschnittuntersuchung: Testung derselben Personengruppe über einen längeren Zeitraum. Um z.B. den Intelligenzabbau im Verlauf einer Alzheimerschen Demenz zu untersuchen, muß man eine Gruppe von Patienten jedes Jahr mit demselben Testverfahren oder einer Parallelform (um Wiederholungs- und Übungseffekte zu vermeiden) prüfen.
Läsion: Schädigung. Hier meist benutzt in dem Kontext Hirn-Läsion, d.h. Schädigung des Gehirns durch einen spezifischen Einfluß wie einen Unfall oder einen Schlaganfall.
Lehranalyse: viele Psychotherapeuten, insbesondere Psychoanalytiker müssen während ihrer Ausbildung eine Lehranalyse mitmachen, in der Sie von einem ausgebildeten Therapeuten zunächst einmal selbst ihr Seelenleben offenlegen und unverarbeitete Erlebnisse aus der Vergangenheit aufarbeiten. Hinter diesem Konzept steht die Ansicht, daß nur jemand anderen helfen kann, der seine eigenen psychischen Probleme gelöst hat.
Lernen: unter Lernen versteht die Psychologie nicht nur bloßes Auswendig-lernen, sondern jede Art der Verhaltensänderung durch Erfahrung. Zu den wichtigsten Lernarten zählt das Klassische Konditionieren (Verknüpfung eines angeborenen Reflexes mit einem bis dahin neutralen Reiz), das operante Konditionieren (Belohnen oder Bestrafen einer Verhaltensweise bewirkt eine Änderung der Häufigkeit dieser Verhaltensäußerung), das Modellernen (beobachtete Verhaltensweisen, die erfolgreich sind, werden nachgeahmt) und kognitives Lernen (Verstehen eines abstrakt dargestellten Sachverhaltes: Sie tun es gerade!).
Libido: Sigmund Freud ging davon aus, daß zwei angeborene Triebe ausschlaggebend für alle Verhaltensweisen sind. Diese Ur-Triebe bezeichnete er mit "Eros" (Liebestrieb) und "Thanatos" (Todestrieb). Der erste ist für alle lebensbejahenden Verhaltensweisen verantwortlich, der zweite für aggressives, zerstörerisches Verhalten. Der Eros produziert eine Energie, die Freud als "Libido" oder Liebesenergie bezeichnete. Diese Libido verlangt nach gelegentlicher Abfuhr, z.B. in Form von sexuellen Verhaltensweisen. Nach Ansicht von Sigmund Freud ist sowohl das Unterdrücken die Liebes- wie das des Aggressions-Triebes schädlich für die Psyche und führt auf lange Sicht zu psychischen Störungen.
Life-Event: lange andauernde Belastungen wie Arbeitslosigkeit, Tod des Partners, chronische Krankheiten, die als Streß erlebt werden, können psychosomatische Krankheiten erzeugen. Life-Event-Fragebögen nach solchen kritischen Lebensereignissen können helfen, diese Korrelationen wissenschaftlich nachzuweisen.
Limbisches System: Teil des Gehirns, der zwischen dem Corpus callosum (Balken) und der Großhirnrinde liegt. Das Limbische System beherbergt im wesentlichen instinktives Verhalten und Gefühle. Elektrische Reizung von Bereichen des Limbischen Systems löst bei Tieren artspezifische Verhaltensweisen aus, etwa Brunftverhalten, Aggression, Sexualverhalten. Heute weiß man, daß insbesondere im Limbischen System bestimmte Botenstoffe (Transmittersubstanzen), die sogenannten "Neuropeptide" ausgeschüttet werden, die für unsere Gefühle verantwortlich sind. Am bekanntesten sind die Endorphine, körpereigene Opiate, die bei Freude, Glück, aber auch bei Fastenkuren und übermäßiger sportlicher Anstrengung ausgeschüttet werden. Das Limbische System spielt außerdem eine Rolle bei Lernprozessen, deshalb wird alles das leichter behalten, was Gefühle auslöst. Darüber hinaus fand man an der Oberfläche von Zellen des Immunsystems Rezeptoren, die gleichfalls auf Neuropeptide reagieren, d.h. über das Limbische System können vermutlich Gefühle das Immunsystem anregen oder hemmen.
Lithium: Lithium wird eingesetzt zur Langzeit-Therapie der affektiven oder manisch-depressiven Psychose. Lithium hat im Vergleich zu klassischen Antidepressiva oder Neuroleptika erheblich weniger Nebenwirkungen, es wirkt jedoch nur, wenn es über lange Zeiträume regelmäßig eingenommen wird. Hierbei muß der Lithium-Spiegel im Blut regelmäßig untersucht werden, da es bei einem zu hohen Spiegel zu lebensbedrohlichen Zuständen kommen kann.
Lobotomie: Entfernung eines Gehirnlappens. Die Psychiatrie gegen Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts ging davon aus, daß es sich bei psychischen Störungen um krankhafte Veränderungen des Gehirns handelt. Analog zu einem chronisch entzündeten Blinddarm wurden insbesondere durch die Gehirnchirurgie der 30er bis 50er Jahre ganze Gehirnlappen entfernt oder zerstört, um Patienten zu heilen. Am häufigsten wurden die Verbindungen des Frontal- und des Temporallappens zum restlichen Gehirn unterbrochen. Am häufigsten wurden diese Operationen bei Schizophrenen durchgeführt. Eine Folge war meist die erhöhte Apathie der Patienten, wodurch aber zumindestens die schizophrene Symptomatik meist in den Hintergrund trat. Neben häufigen Todesfällen durch diese Operationen waren auch epileptische Anfälle eine häufige Folge. Mitte der 50er Jahre nahm die Anzahl der Lobotomien deshalb drastisch ab.
Löschung (Extinktion): Lernvorgang der Klassischen Konditionierung und des Belohnungslernens. Ein einmal gelernter Vorgang, auf den später keine Reaktion mehr erfolgt, wird allmählich wieder verlernt oder "gelöscht". Der Hund von Pawlow produziert irgendwann keinen Speichel mehr aufgrund des Glockentones, wenn er nie wieder in Verbindung mit dem Ton etwas zu fressen bekommt. Lediglich intermittierend belohnte Verhaltensweisen können löschungsresistent sein, da das Tier oder die Person ohnehin daran gewöhnt wurde, daß es nicht jedesmal eine Belohnung für sein Verhalten bekommt, sondern nur in unregelmäßigen Abständen.
LSD: Lysergsäurediäthylamid. Ein Halluzinogen (bewußtseinserweiternde Droge), das einen mehrere Stunden dauernden Zustand mit Illusionen und Halluzinationen bei scheinbarer Bewußtseinsklarheit erzeugt.
Lustprinzip: Das ES, nach psychoanalytischer Ansicht der Sitz von Trieben und Bedürfnissen, arbeitet nach dem "Lustprinzip", indem es die sofortige Befriedigung aller lustvollen Tätigkeiten fordert.
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Manie: Störung des Gefühls mit übermäßig euphorischer Grundstimmung, Antriebssteigerung, gesteigertes Vitalgefühl, meist auch Denkstörungen wie Ideenflucht und Assoziationsreichtum, verbunden mit einem Wahn, bevorzugt Größenwahn. Manie kann als endogene Psychose alleine auftreten oder, was häufiger ist, in Verbindung mit dem depressiven Gegenpol als affektive oder bipolare Psychose. Während der manischen Phase besitzen die Patienten zunächst Überzeugungsreichtum und reißen ihre Umgebung mit, oft erst auf dem Höhepunkt wird dann allen Beteiligten klar, die die weitreichenden Pläne im Grunde undurchführbar sind. Therapeutisch werden Neuroleptika eingesetzt und Lithium zur Langzeitprophylaxe.
Manisch-depressive Psychose: bipolare affektive Psychose, früher auch als Zyklothymie bezeichnet. Diese Psychose besteht aus einer mehrere Monate andauernden manischen und einer mindestens ebensolangen depressiven Phase. Die Störung gehört mit den den Formenkreis der endogenen Psychosen.
MAO: Monoaminooxidase, sofortiger Abbau der Monoamin-Transmittersubstanzen nach deren Ausschüttung in den synaptischen Spalt, um die Erregungsausbreitung zu verringern.
Masochismus: sexuelle Perversion. Der Lustgewinn wird hierbei aus dem Ertragen von Schmerzen gezogen. Spezielle Prostituierte, die sog. "Dominas" schlagen hierbei dem Masochisten mit Peitschen auf Gesäß und Rücken oder fesseln und knebeln ihn. Benannt nach dem Schriftsteller von Sacher-Masoch.
Meditation: neben Autogenem Training und Progressiver Muskelentspannung werden meditative Techniken heute auch oft in der Psychotherapie zur Beruhigung und gegen psychosomatische Krankheiten eingesetzt. Das Denken wird hierbei, im Schneider- oder Lotussitz mit geschlossenen Augen, auf ein Mantra gelenkt (z.B. "Om"), andere Gedanken werden beiseite geschoben. Es kommt zu einer geistigen Tiefenentspannung. Meditative Techniken wie alle Entspannungsverfahren sollten nur unter Aufsicht erlernt werden, da es in der Tiefenentspannung zum plötzlichen Aufbruch verdrängter Ängste kommen kann. Das Verfahren eignet sich damit nicht z.B. für Schizophrene.
Medulla oblongata: verlängertes Mark. Zwischen dem Rückenmark und dem Zwischenhirn sitzender Teil des Hirnstammes. Neben der Durchleitung von motorischen Bahnen zur Bewegung der Muskeln und sensiblen Bahnen zur Empfindung des Körpers, sitzen in der Medulla oblongate verschiedene lebenswichtige Zentren und die Formatio reticularis, die das Aktivationsniveau beeinflußt.
Megalomanie: Größenwahn. Der Betroffene hält sich für Gottes Sohn, für den Retter der Welt usw.
Meningitis: Entzündung der Hirnhäute (Meningen), oft zusammen mit einer Entzündung der Rückenmarkshäute, meist mit Eiteransammlung. Ursache: bakterielle Infektionen z.B. durch eine Nasennebenhöhlen-Entzündung oder Entzündung der Ohren. Allgemeine Symptome sind: Fieber, Kopfschmerzen, Bewußtseinstörungen und epileptische Krämpfe. Therapie durch hochdosierte Gabe von Antibiotika, da bei Übergreifen der Entzündung auf das ganze Gehirn lebensbedrohliche Komplikationen entstehen können.
Methadon: Medikament, das der Schmerzbekämpfung dient, jedoch keinen euphorischen Zustand hervorruft. Methadon wird deshalb Dorgensüchtigen während des Entzuges verabreicht. Allerdings besteht das Risiko, daß diese Personen bei langfristiger Einnahme dann Methadonsüchtig werden.
MCD: minimale cerebrale Dysfunktion. Aufgrund einer geringgradigen Hirnschädigung entstandener mäßiger Ausfall der kognitiven Leistungsfähigkeit, der sich z.B. nur als allgemeine Konzentrationsschwäche äußert.
Mittelhirn: auch als "Mesencephalon" bezeichneter Teil des Gehirns zwischen Großhirn und Hirnstamm. Es teilt sich auf in a) das Dach (Tectum) mit Sammelstellen für Seh- und Hörreflexe, b) die Haube (Tegmentum) mit der Substantia nigra, die für Bewegungssteuerung verantwortlich ist (bei Schädigung: Parkinsonismus) und c) den Fuß (Crura cerebri), in dem die Pyramidenbahnen verlaufen, die zur Bewegungssteuerung eine Verbindung des Großhirns zu den Muskeln schaffen.
MMPI: Minnesota Multiphasic Personality Inventory. Persönlichkeitsfragebogen in einer Langform (über 500 Fragen !) und einer Kurzform. Der MMPI untersucht im wesentlichen auch die Neigung zu psychiatrischen Krankheiten und liefert Anhaltswerte über das Ausmaß von schizophrenen, zwangsneurotischen oder depressiven Symptomen.
Modellernen: psychologische Lerntheorie. Hat eine beobachtete und als positiv bewertete Person mit einem bestimmten Verhalten Erfolg, so wird der Beobachter dazu neigen, dieses Verhalten nachzuahmen. Modellernen, insbesondere die Nachahmung von Stars aus Fernseh- und Kinofilmen, spielt heute eine wichtige Rolle zur Erklärung aggressiver Verhaltensweisen bei Jugendlichen. Auch innerhalb einer Gruppe sollte sich der Leiter immer bewußt sein, daß sein Verhalten ein Modell für seine Mitarbeiter darstellt. Ein autoritär-kritisierender Heimleiter muß sich nicht wundern, wenn das Pflegepersonal die Heimbewohner ebenso lieblos behandelt wie der Heimleiter seine Mitarbeiter.
Mongolismus: angeborene, genetisch-bedingte Krankheit. Das 21. Chromosom ist 3-fach statt doppelt vorhanden (Trisomie 21, auch Down-Syndrom). Neben körperlichen Veränderungen (Lidfalte, rundliches Gesicht, dicke Zunge) ist ein Teil dieser Personen auch geistig behindert, aber dennoch bildungsfähig.
Monoamine: Gruppe von kleinmolekularen Transmittersubstanzen im Gehirn. Hierzu gehören die Indolamine und die Katecholamine. Monoamine werden durch die Monoaminooxydase (MAO) wieder abgebaut.
Multi-Infarkt-Demenz: durch verschleppte Blutgerinsel kann es zum Verschluß einer Arterie kommen. Das von dieser Arterie mit Blut versorgte Gebiet stirbt dann weitgehend ab. Trifft dieser Infarkt das Gehirn, so spricht man von Hirninfarkt, Schlaganfall oder Apoplex. Häufig sind die Blutgerinnsel aber so klein, daß nur winzige Arterien im Gehirn verstopft werden und dementsprechend nur kleine Hirnteile geschädigt werden. Im Alter können solche winzigen Schlaganfälle sehr häufig sein und werden von der Umwelt oft gar nicht entsprechend gewertet, sondern als Kopfschmerz oder Migräneanfall abgetan, selbst wenn die Symptome wie Sprachschwierigkeiten, Bewegungsausfälle oder Sehstörungen hinterher nicht mehr spontan verschwinden. Es kommt allmählich durch diese Mini-Infarkte zu einer Addition vieler kleiner Hirnschäden, die letztlich zur Demenz führen, der Multi-Infarkt-Demenz.
Multiple Persönlichkeit: neurotische Störung aus dem Formenkreis der Hysterie. Wir alle neigen dazu, bestimmte Teile unserer Persönlichkeit zu unterdrücken. Insbesondere aggressive, trotzige oder enthemmte Charakterzüge werden oft jahrelang von der Persönlichkeit abgespalten. Beim Neurotiker können sich diese Teile dann irgendwann selbständig machen und neben der Normalpersönlichkeit noch einen zweiten (manchmal auch dritten, vierten fünften ...) Teil der Persönlichkeit aufstellen. Diese Teile bestehen nebeneinander her und übernehmen in unsystematischem Wechsel die Lenkung des Verhaltens. Interessanterweise wissen die einzelnen Teile in der Regel nichts voneinander. Der überordentliche, saubere und immer pünktliche erste Teil der Persönlichkeit ist dann morgens recht erstaunt, zu erfahren, abends betrunken und halbnackt auf einem Tisch in einer Bar getanzt zu haben. Durch Psychotherapie lassen sich die abgespaltenen Teile meist wieder zu einer Gesamtpersönlichkeit vereinigen.
Mutismus: Sprachverweigerung. Nach erfolgreichem Spracherwerb kommt es aufgrund von psychischen Problemen zu einer Verweigerung, mit anderen Personen zu sprechen. Im Unterschied zur Aphasie, bei der die Erkrankten nicht sprechen können, wollen die Mutisten nicht mehr reden. Man unterscheidet den a) elektiven Mutismus (Person redet noch mit bestimmten vertrauten Menschen) und b) den totalen Mutismus (Person spricht gar nicht mehr, sondern verständigt sich mit Gebärden und Handzeichen). Nach jahrelangem Mutismus sind diese Patienten schließlich auch von sich aus nicht mehr in der Lage noch etwas zu sagen. Auch in der psychotherapeutischen Sitzung löst die Aufforderung zu sprechen dann panikartige Ängste aus.
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Narkolepsie: zwanghafte, anfallsweise Schlafanfälle von Minuten bis zu Stunden am Tage. Ursache ist meist eine vorangegangene, aber inzwischen ausgeheilte Encephalitis. Mitunter kommt es infolge eines Erregungszustandes bei den Narkolepsie-Patienten auch bei wachem Bewußtsein zu einer plötzlichen, schlaffen Lähmung der Muskulatur, die aber vorübergehend ist. Der Nachtschlaf ist durch die Schlafanfälle am Tag fast immer auch gestört.
Narzißmus: Selbstliebe. Jeder von uns bemüht sich, ein positives Bild von sich selbst zu haben. Dennoch sind wir in der Lage, auf Bedürfnisse anderer einzugehen. Narzißten jedoch neigen zu so übermäßiger Selbstverherrlichung, daß sie davon ausgehen, daß auch andere Menschen sie vergöttern. Bei der narzißtischen Persönlichkeitsstörung führt dies zu ständigen Konflikten, da die Narzißten glauben, sie könnten ständig Vergünstigungen von anderen erhalten, ohne selbst etwas dafür geben zu müssen.
Nebennieren: an den Nieren befindet sich ein kleines Anhangsorgan, die Nebennieren, die insbesondere bestimmte Hormone produzieren. Die Nebennierenrinde produziert kortikoide Hormone, hierzu gehört z.B. das Androgen, ein Sexualhormon und das Cortisol, das entzündungshemmend wirkt. Das Nebennierenmark produziert Adrenalin und Noradrenalin. Der Ausstoß dieser Hormone wird durch das Gehirn über das ACTH gesteuert (adrenocorticotrophes Hormon). ACTH wird vor allem bei Streß vermehrt produziert. Hans Selye stellte schon in den 30er Jahren im Tierversuch fest, daß Dauerstreß ein übermäßiges Wachstum der Nebennieren zur Folge hat.
Negativismus: Verweigerung der Zusammenarbeit. Entweder wird trotzig keine Antwort auf eine Frage gegeben oder die Mitarbeit bei einer Handlung wird verweigert, häufig kommt es sogar zu gegenteiligen Reaktionen: statt mitzukommen geht der Patient auf die entsprechende Aufforderung hin jedesmal weg. Negativismus kann ein Symptom für eine Schizophrenie sein, es taucht aber gerade beim älteren Menschen häufig aufgrund von Frustrationen auf und stellt die einzige Möglichkeit der Äußerung von Aggressionen dar.
Neologismus: Wortneuschöpfung. Meist Erfindung eines völlig unbekannten Wortes ("wreggeln") oder Zusammenfügen von Teilen anderer Worte ("Heut' bin ich mal wütlieb."). Besonders häufig treten solche Neologismen in der Sprache von schizophrenen Patienten auf. Sie können aber auch bei hirngeschädigten Patienten mit einer Wernicke-Aphasie vorkommen.
Nervensystem: Gesamtheit der Nerven, die sich durch den gesamten Körper ziehen. Das Nervensystem dient zum einen der Reizaufnahme, die zum Gehirn befördert werden und zur Steuerung von Muskeln und Eingeweiden durch das Gehirn. Man unterscheidet a) das zentrale Nervensystem (ZNS) mit dem Gehirn und Rückenmark gemeint sind, b) das periphere Nervensystem zur Aktivierung der Skelettmuskeln und c) das vegetative oder autonome Nervensystem, das dem Willen nicht untergeordnet ist. Es beeinflußt in Zusammenwirken mit Hormonen z.B. Atmung, Verdauung und Stoffwechselfunktionen.
Neurodermitis: psychosomatische Hauterkrankung. Für Neurodermitis ist vermutlich eine erbliche Komponente ausschlaggebend, häufig kommt es in Verbindung mit allergischen Reaktionen auf Nahrungsmittel oder Kleidung zu der Hautreaktion mit Rötung, ständigem Juckreiz, nächtlichen Kratzanfällen und Ekzembildung. Streß und andere psychische Einflüsse verstärken die Krankheit fast immer erheblich.
Neuroleptika: antipsychotisch und/oder sedierend wirkende Psychopharmaka. Neuroleptika können die Positivsymptomatik des Schizophrenen (Denkstörungen, Halluzinationen, Wahnvorstellungen) entscheidend mindern, sie helfen jedoch nicht gegen die Negativsymptomatik (Apathie, Depression, Gedächtnis- und Konzentrationsverluste). Neuroleptika blockieren im Gehirn Empfangsstellen des Botenstoffes "Dopamin", allerdings wird hierdurch als Nebenwirkung ein Parkinson Syndrom verursacht, das bei jahrelanger Gabe des Neuroleptikums irreversibel wird. Mitunter kommen nach Gabe von Neuroleptika auch lebensbedrohliche allergische Reaktionen vor. Man unterscheidet hochpotente Neuroleptika (stark antipsychotisch aber gering sedierende Wirkung) von niederpotenten Medikamenten (hoch sedierend, gering antipsychotisch). Trotz der Nebenwirkungen sind Neuroleptika aus der Behandlung von endogenen Psychosen, besonders der Schizophrenie zur Zeit nicht wegzudenken. Bei verwirrten, alten Menschen ist die Verordnung eher kontraindiziert, da hier in der Regel kein zu hoher Dopaminspiegel für die Verwirrtheit ausschlaggebend ist.
Neurologie: medizinisches Fachgebiet, das sich mit Erkrankungen der Nerven, hierzu gehört auch das Gehirn, beschäftigt. Hauptaufgabe ist die Diagnostik von Erkrankungen des Nervensystems (z.B. Neuralgien, Querschnittlähmung, Multiple Sklerose, Hirntumore) und deren Therapie.
Neuron: Nervenzelle, aufgebaut aus dem Soma (Zellkern), den Dendriten (feinen Verästelungen als Empfangsstation für eingehende Reize) und dem Axon (Weiterleitung eines Impulses zur nächsten Nervenzelle). Die Weiterleitung geschieht als elektrischer Impuls. Das Axon endet in kleinen Köpfchen. Hier werden Botenstoffe (Transmittersubstanzen) ausgeschüttet, durch die auf dem Dendriten der benachbarten Zelle eine neue elektrische Erregung ausgelöst werden kann.
Neurose: bei Neurosen handelt es sich um chronisch verlaufende Angsterkrankungen. Die Ursache liegt meist in der Kindheit begründet. Neurotiker entwickeln Ängste vor normalen Verhaltensweisen und wenden sich dadurch zunehmend mehr von sozialen Kontakten ab. Typische neurotische Störungen sind: Phobien (Angst vor harmlosen Tieren, Gegenständen und Situationen), Angstneurose (plötzliche Panikanfälle), Zwangsneurosen (pedantische Überprüfung potentiell gefährlicher Gegenstände), depressive Neurose (melancholischer Rückzug), Konversionsneurose (körperliche Krankheitserscheinungen durch ungelöste psychische Konflikte), Multiple Persönlichkeit (Ausbildung eines zweiten, der Primärpersönlichkeit meist sehr gegensätzlichen Charakters) und Hypochondrie (die Angst wird auf die Gefahren einer Ansteckung gerichtet). Klassische Behandlungsweise für neurotische Störung ist eine langjährige Psychoanalyse, allerdings verzeichnet auch die Verhaltenstherapie sehr viel schneller meist gute Erfolge.
Niemann-Pick-Krankheit: nach Albert Niemann (1880-1921) und Ludwig Pick (1868-1944) benannte Stoffwechselstörung. Es handelt sich um eine Fettspeicherkrankheit, die vererbt wird und schon im ersten Lebensjahr auftritt. Sie führt entweder zum raschen Tod oder zu erheblichen Störungen der geistigen Entwicklung, verbunden mit Spastik und Zittern.
Noradrenalin: A) Neurotransmitter im Zentralen Nervensystem, Noradrenalin gehört zur Gruppe der Katecholamine und spielt offenbar bei der Auslösung der Manie und der endogenen Depression eine wichtige Rolle. B) Dieselbe chemische Substanz wird an den Nervenendigungen des Sympathicus freigegeben und bildet neben Adrenalin eines der wichtigsten Hormone.
Normalität: unklar definierter Begriff. Die psychische Normalität wird heute allgemein statistisch definiert als das Verhalten, das die meisten Menschen zeigen. Allerdings müssen dann auch positiv-bewertete Abweichungen als unnormal bezeichnet werden. Insbesondere bei psychiatrischen Krankheiten gibt es im Grunde genommen keine exakte Grenze, welches Verhalten noch als "normal" hingenommen werden kann. Im Gegensatz zur Normalität definiert man krankhaftes Verhalten in der Regel als solches, wenn die Person selbst oder ihr direktes Umfeld unter den Symptomen leidet.
Normalverteilung: Gauss'sche Glockenkurve. Die meisten biologischen Variablen sind normalverteilt, etwa die Größe von Getreidehalmen auf einem Feld (wenig kleine, sehr viele mittel-große und wiederum sehr wenig riesige) oder zum Beispiel die Intelligenz von Menschen: 2% geistig Behinderte mit einem IQ von unter 70, 68% im mittleren Bereich von 85-115 und wiederum nur 2% Genies mit einem IQ von über 130. Diese Normalverteilung ist die Grundlage zur Bewertung der meisten psychologischen Tests (Fragebogenverfahren, Intelligenztest), um einen quantitativen Wert bestimmen zu können, in welchem Ausmaß eine Person vom mittleren Bereich abweicht.
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Objektivität: Gütekriterium, das insbesondere auf psychologische Testverfahren angewandt wird. Ein Test muß objektiv messen, d.h. das Ergebnis muß alleine von der Anzahl der gelösten Testaufgaben abhängen. Es darf nicht abhängen vom jeweiligen Untersucher, der unter Umständen (nicht-erlaubte) Hilfen gibt oder von dem sonstigen Umfeld, etwa Baulärm vor einem geöffneten Fenster oder sanderen, ständig ablenkenden Reizen.
Ödipus-Komplex: Begriff aus der Psychoanalyse. In der phallischen oder ödipalen Phase (3.-5. Lebensjahr) verliebt sich der Junge in seine Mutter und beginnt im Vater einen Rivalen zu sehen, Freud leitete den Begriff aus der griechischen Sage über Ödipus ab, der seinen Vater tötete und die Mutter heiratete (Ödipus tat dies allerdings in völliger Unkenntnis der Verwandtschaftsverhältnisse). Im Verlauf der ödipalen Phase soll der Junge dann eine "Kastrationsangst" durch die Beobachtung des Genitals von Frauen oder Mädchen entwickeln und dadurch glauben, dies würde auch ihm als eine Bestrafung für seine Wünsche nach der Mutter drohen. Die Identifikation mit dem Vater beendet dann diese ödipale Phase. Beim Mädchen kommt es gegensinnig zum "Elektrakomplex". Diese Theorie Sigmund Freuds gilt heute als sehr umstritten.
Okzipitallappen: Teil des Großhirns, wegen seiner Lage auch als Hinterhauptlappen bezeichnet, sitzt er genau am Hinterkopf. Die obere Hälfte grenzt an den Parietal- und die untere an den Temporallappen. Der Okzipitallappen hat das Sehen als einzige Aufgabe. Er erhält seine Information direkt von den Augen über die Sehnervenkreuzung. Hier geschieht die Hell-dunkel-Unterscheidung und die Unterscheidung von Linien, Formen und Farben. Die eigentliche Objekterkennung geschieht dann überwiegend im Parietallappen. Der in der rechten Hiirnhälfte sitzende Okzipitallappen verarbeitet nur Informationen von den Augen, die aus der linken Hälfte des Raumes stammen. Der linkshemisphärische Okzipitallappen nur Lichtreize aus der rechten Raumhälfte. Bei Schädigung eines Hinterhauptlappens fehlt den Patienten dadurch meist eine Raumhälfte auf beiden Augen.
Operantes Konditionieren: Belohnungslernen. Im Tierversuch entwickelte Lernmethode, die auch beim Menschen eine große Rolle spielt. Folgt auf ein Verhalten eine positive Konsequenz, so wird dieses Verhalten künftig häufiger gezeigt. Folgt eine als negativ, unangenehm empfundene Konsequenz, so wird das Verhalten seltener. Folgt keine Konsequenz (Löschung), so wird das Verhalten zunächst häufiger, in der Hoffnung doch noch ein Ergebnis zu erreichen, dann jedoch immer seltener. Operantes Konditionieren wird auch psychotherapeutisch angewandt zum Verlernen unangebrachter Verhaltensweisen und gleichzeitigem Aufbau angemessener Verhaltensweisen.
Orale Phase: erste Phase der psychosexuellen Entwicklung nach Sigmund Freud im ersten Lebensjahr. Vom lateinischen "os" = Mund. Der Mund steht bei Neugeborenen im Zentrum des Interesses. Durch Saugen an der Mutterbrust kommt es zur ersten, als lustvoll erlebten Triebbefriedigung. Auch später erforscht das Kind dann die Umwelt zunächst, indem es Dinge in den Mund steckt.
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Pädophilie: sexuelle Betätigung an Kindern. Pädophilie gehört mit zum Bereich der sexuellen Abweichungen. Der Pädaphile ist in der Regel zur normalen Heterosexualität mit Erwachsenen nicht fähig und fühlt sich zu jüngeren Kindern, ausschließlich vor der Pubertät, hingezogen.
Panikanfall: Angststörung, die ohne konkreten Anlaß eintritt und mit Herzrasen, Schweißausbruch, Zittern, Atemnot und dem Gefühl einer kurz bevorstehenden Ohnmacht einhergeht.
Paranoia: systematischer Wahn bei Schizophrenen. Am häufigsten bei der danach benannten Paranoiden Schizophrenie. Es kommt zu ausgefeilten Wahngebäuden mit einem komplexen und differenzierten Verfolgungswahn, Größenwahn und Beziehungswahn, die man dem betroffenen Patienten nicht ausreden kann. Diese fühlen sich z.B. in ihrer Wohnung ausspioniert, abgehorcht und von anderen heimlich beobachtet. Aus nebensächlichern Zufällen, etwa einem vor ihrer Haustür auf der Straße liegenden Zigarettenstummel, leiten sie die Richtigkeit ihrer Vorstellungen ab. Paranoider Wahn kann mitunter auch durch Drogen ausgelöst werden (z.B. LSD, Amphetamine, Alkohol).
Parasympathicus: neben dem Sympathicus wichtigster Teil des autonomen Nervensystems, der viele innere Organe kontrolliert. Der Parasympathicus gilt als "Ruhenerv", da er vorwiegend aktiv ist, wenn der Organismus in Ruhe ist und z.B. verdaut.
Parietallappen: Großhirnteil, oft auch als Scheitellappen bezeichnet. Der Parietallappen wird durch die "Rolandische Furche" vom vorne im Gehirn sitzenden Frontallappen abgegrenzt. Nach hinten fügt sich der Okzipitallappen an und nach unten der Temporallappen. Der Scheitellappen ist im wesentlichen verantwortlich für das Fühlen von Körperempfindungen (Somatosensorik), Lesen, Rechnen und Objekterkennung. Bei einem Schlaganfall im Bereich der mittleren Hirnarterie verliert der Patient meist nicht nur seine Bewegungsfähigkeit, sondern auch das Empfindungsvermögen für die gelähmte Körperhälfte. Darüber hinaus können Lese- und Rechenstörungen auftreten (die Zahl "hundertvierundfünfzigtausenddreihundertneun" wird z.B. als "100 54.000 309" geschrieben) und Agnosien, Erkennungsstörungen, bei denen die Patienten einen Gegenstand nicht mehr benennen können oder Apraxie, d.h. der Patient weiß nicht mehr, was man mit einem Gegenstand tun kann.
Parkinsonismus / Parkinson Syndrom: nach James Parkinson (1755-1824) bezeichnete Erkrankung. Durch eine Degeneration der Substantia nigra im Mittelhirn kommt es zu Bewegungsstörungen. Zunächst fällt die gebückte Haltung des Parkinson-Kranken auf mit schlürfend-trippelnden Schritten, die Sprache ist leise und monoton. Die Schrift wird nach und nach immer kleiner (Mikrographie), es kommt zum grobschlägigen Zittern (Tremor), der sich bei Bewegung aber bessert. Begleitend treten Stimmungsschwankungen auf, insbesondere depressive Zustände. Bei passiver Bewegung der Muskulatur ist ein wächserner Widerstand zu fühlen. Den Patienten fehlt eine ausreichende Menge des Botenstoffes Dopamin im Mittelhirn, der von der Substantia nigra hergestellt wird. Durch Gabe einer Dopamin-Vorstufe, dem L-Dopa, kann dieser Mangel einige Jahre lang ausgeglichen werden. In dieser Zeit schreitet der Verfall der Substantia nigra jedoch weiter fort und kann schließlich auf durch medikamentöse Therapie nicht mehr ausreichend beeinflußt werden.
Pathologie: Krankheitslehre. Hier meist benutzt als "Psychopathologie" = Lehre von den psychischen Krankheiten.
Perseveration: ständige, stereotype Wiederholung derselben Inhalte in der Sprache des Patienten. Ursache sind fast immer Gedächtnisstörungen, der Patient weiß nicht mehr, daß er dieselbe Geschichte schon vor wenigen Minuten berichtet hat und erzählt sie immer wieder. Häufig kreisen die Gedanken auch zwanghaft um einen bestimmten Themenkomplex, auf den der Patient dann immer und immer wieder zu sprechen kommt.
Persönlichkeitsfragebogen: psychologisches Testverfahren zur Prüfung von Charaktereigenschaften. In Form von einfachen Fragen, die mit Ja/Nein oder mit stimmt/stimmt-nicht beantwortet werden müssen, wird ein Persönlichkeitsprofil erstellt z.B. zu den Bereichen: Extraversion/Introversion, psychische Labilität/Stabilität, Ausmaß der Aggressionsbereitschaft, Dominanzstreben, Gehemmtheit, Gesundheitssorgen, Offenheit, Neurotizismus, Ausmaß der Depressivität, soziale Potenz und ähnliches. Häufig benutzte Fragebögen sind unter anderem: FPI, MMPI, Gießen-Test, 16-PF.
Persönlichkeitsstörungen: übermäßig starke Ausprägung bestimmter Persönlichkeitseigenschaften. Die Betreffenden selbst leiden nicht unter ihrem überspitzten Verhalten, aber fast immer die direkte Umwelt. Persönlichkeitsstörungen entwickeln sich meist schon im Verlauf der Kindheit und Jugend und zeigen als allgemeines Kennzeichen eine starre Unflexibilität und erheblich verringertes Anpassungsvermögen an unterschiedliche soziale Situationen. Persönlichkeitsgestörte Menschen versuchen jedes Problem mit den gleichen rigiden Verhaltensweisen zu lösen. Die einzelnen Formen unterscheiden sich allerdings erheblich. Das Spektrum geht von anklammernd-hilflos erscheinenden Verhaltensweisen, über egozentrische Selbstliebe bis zu antisozial-aggressivem Benehmen. Persönlichkeitsstörungen gelten als therapeutisch kaum beeinflußbar.
Petit Mal: kleine epileptische Anfälle, die sich oft nur durch kurzfristigen Bewußtseinsverluist, plötzlichen Sturz oder Zucken eines Armes, Beines oder Vorbeugen des Oberkörpers äußern.
Phallische Phase: dritte Phase der psychosexuellen Entwicklung nach Sigmund Freud vom 3.-5. Lebensjahr. Beim Jungen tritt hier der "Phallus", sein eigenes Geschlechtsorgan in den Vorderung. Er durchlebt in dieser Phase den Ödipuskomplex, das Mädchen gegensinnig den Elektrakomplex. Beide Geschlechter masturbieren in diesem Zeitraum und erleben sexuelle Orgasmen. Nach dem Ende der phallischen Phase, in der sogenannten Latenzzeit, kommt es allerdings oft zum Verschwinden dieser frühen genitalen Betätigung.
Phobie: neurotische Störung. Es besteht eine völlig übersteigerte Angst vor Gegenständen oder Situationen, von denen der Betreffende im Grunde weiß, daß hier keinerlei Gefahr droht. Die Angst wird oft mit den seltsamsten Verhaltensweisen kompensiert oder der Phobiker neigt dazu, die entsprechenden Situationen zu meiden, hierdurch generalisiert die Angst jedoch schnell auf benachbarte Bereiche. Typische Beispiele sind: Belonephobie (Angst vor spitzen Gegenständen), Klaustrophobie (Angst vor engen Räumen), Agoraphobie (Angst vor großen Plätzen), Bibliophobie (Angst vor Büchern), Xenophobie (Angst vor Fremden Menschen).
Physiologie: Lehre von den normalen Lebensvorgängen. Während die Anatomie im wesentlichen nur das Aussehen von Organen beschreibt, kümmert sich die Physiologie vor allem um die Funktionsweise. Die Neurophysiologie versucht insbesondere zu klären, wie Nervenzellen funktionieren, verschaltet sind und wie sie damit komplexe Aufgaben erfüllen. Das "physiologische Paradigma" versucht auch psychische Störungen durch abnorme physiologische Prozesse zu erklären. Im Prinzip ist dies richtig, da es für jedes Erleben und Verhalten immer eine neuronale Grundlage geben muß. Andererseits wird hierbei vernachlässigt, daß sich viele physiologische Prozesse erst in Abhängigkeit von der sozialen Umwelt entwickelt und nicht völlig isoliert und unabhängig ablaufen.
Pick-Krankheit: nach dem Neurologen Arnold Pick (1851-1924) benannte Krankheit mit einer Schrumpfung (Atrophie) bestimmter Hirnteile, die zur Demenz führt. Diese Störung tritt schon um das 40. Lebensjahr herum besonders häufig auf. Die Ursache ist bisher unbekannt. Bei Schädigung des Frontalhirnes kommt es insbesondere zu Denkstörungen und Persönlichkeitsveränderungen mit moralischer Enthemmung. Bei spezieller Schädigung im Bereich des Temporallappens stehen zunächst Gedächtnis- und Sprachstörungen im Vordergrund. Schließlich kommt es zu einer zunehmenden Demenz.
Placebo-Effekt: Ein Placebo ist ein Scheinmedikament, völlig ohne Wirkstoff. Oft reicht der Glaube des Patienten aus, ein wirksames Medikament genommen zu haben, um eine Heilung zu erzielen. Entsprechende Suggestionen wie "Ein völlig neues Medikament aus den USA ..." unterstützen diesen Placebo-Effekt häufiig. Tatsächliche Medikamente müssen in klinischen Untersuchung eine weit höhere Heilungsquote erreichen als das parallel einer Kontrollgruppe verabreichte Placebo. Wodurch der Placebo-Effekt eintritt, ist umstritten, offensichtlich vermögen positive Gedanken alleine das Immunsystem so weit zu aktivieren, daß hier eine Heilung auch ohne einen medizinisch-wirksamen Stoff eintreten kann.
Pons: auch als Brücke bezeichneter Teil des Hirnstammes, der das Rückenmark mit dem Kleinhirn und dem Großhirn wechselseitig verbindet.
Präsenile Demenz: im mittleren Lebensalter, um das 5. Lebensjahrzehnt herum, vorzeit auftretenden Demenzformen wie z.B. die Alzheimersche Demenz, Picksche Demenz oder Chorea Huntington. In Ursachen und Symptomen lassen sich diese präsenilen Demenzen von den im höheren Lebensalter auftretenden senilen Demenzen nicht unterscheiden.
Prognose: Voraussage über den statistisch am häufigsten anzunehmenden Verlauf einer Erkrankung unter Berücksichtigung individueller Einflüsse. Während die Prognose bei einigen Krankheiten relativ einfach zu stellen ist, z.B. nach einem einmaligen Schlaganfall bei einer jüngeren Person, entstehen hier bei anderen Krankheiten erhebliche Probleme. Beispiel: Frage der Führerschein-Wiedererteilung bei einem bereits zweimal rückfälligen Alkoholiker.
Projektion: psychoanalytischer Abwehrmechanismus. Bedürfnisse, die aufgrund der eigenen moralischen Vorstellungen für die Person selbst nicht durchführbar sind, werden auf andere Personen projiziert und dort oft übersteigert wahrgenommen.
Projektiver Test: Diese Art psychologischer Tests nutzt den psychoanalytischen Abwehrmechanismus der Projektion. In unstrukturiertes Material (Tintenklecks-Bilder) oder sehr allgemein gehaltene Aufgaben ("Zeichen Sie einen Baum") werden eigene Bedürfnisse, Motive und Persönlichkeitseigenschaften hineinprojiziert aus denen der geschulte Arzt oder Psychologe dann Hinweise auf die Charakterstruktur entnehmen kann. Anhand der Originalität der Deutungen oder Assoziationen von Patienten können unter Umständen auch Rückschlüsse auf die Intelligenz gezogen werden.
Psychoanalyse: Behandlungsform, die von Sigmund Freud entwickelt wurde. Freud entwickelte eine eigene Theorie der Persönlichkeit. Neben dem Es (kindliche Triebe), dem Über-Ich (Moralvorstellungen) und dem Ich (vermittelnder Teil) unterschied er bewußte, vorbewußte und unbewußte Teile. Insbesondere das Unbewußte enthält hierbei traumatische, frühkindliche Erlebnisse, die dort zwar abgeriegelt sind, aber unser Verhalten dennoch stark beeinflussen. Insbesondere in Träumen äußern sich solche unbewußten Inhalte in symbolisch veränderter Form. Traumanalyse macht deshalb noch heute einen großen Teil der psychonalytischen Behandlung aus. Auch von dem ersten Einfall glaubte Freud, daß dieser aus dem Unbewußten stammt, freie Assoziation ist deshalb eine zweite wichtige Technik. Der Psychoanlytiker, der in der Regel hinter dem auf der Couch liegenden Patienten sitzt, deutet diese Äußerungen des Patienten. Zeigt der Patient Widerstände gegen diese Deutung, so beweist das dem Analytiker, daß er auf dem richtigen Weg ist, da die bewußten Anteile der Persönlichkeit sich dagegen wehren, an das verdrängte Erlebnis erinnert zu werden.
Psychodrama: Form der Psychotherapie in Gruppen. Der Patient spielt mit der Gruppe für ihn belastende Lebenssituationen in der Art eines kurzen Theaterstückes nach. Hierbei wechselt er auch mehrfach die Rolle und entwickelt so Verständnis für die Personen, mit denen er sich im Streit befindet. Darüber hinaus können im Spiel verschiedene, neue Verhaltensweisen ausprobiert werden, durch die sich das Problem möglicherweise lösen läßt. Der Patient spielt diese Verhaltensweisen durch und spricht dann mit der Gruppe über die Gefühle, die jeder während der Aufführung hatte.
Psychomotorische Epilepsie: bei dieser Art von Epilepsie kommt es nicht zu den sonst typischen Krämpfen, sondern der Patient führt bestimmte Routinehandlungen durch, z.T. werden sogar völlig automatisiert komplexe Handlungsabläufe durchgeführt, z.B. aufstehen und Gardinen zuziehen. Das Bewußtsein ist hochgradig eingeschränkt und der Patient kann hinterher nicht mehr sagen, warum er diese Tätigkeit gemacht hat.
Psychopharmaka: Gruppe von Medikamenten, die eine Wirkung auf die Psyche des Menschen haben. Unter diesen Oberbegriff fallen insbesondere Medikamente wie die Tranquilizer (angstlösend, beruhigend, schlafinduzierend), Neuroleptika (anti-psychotisch, sedierend, gegen Halluzinationen), Antidepressiva (depressionslindernd, antriebssteigernd). Häufig werden auch andere Medikamentengruppen darunter subsummiert wie die Antiepileptika (gegen epileptische Anfälle), die Anti-Parkinsonmittel (gegen Parkinsonismus), die Nootropika (Steigerung der Hirnleistung), die Stimulanzien (aktivitätssteigernd), sowie Schlaf-, Schmerz- und Narkosemittel.
Psychose: in Abgrenzung zu den reaktiven und hirnabhängigen psychischen Störungen fallen unter den Oberbegriff "Psychose" die beiden Gruppen der schizophrenen und der manisch-depressiven Erkrankungen. Psychosen verändern im Vergleich zu anderen psychischen Krankheiten die Persönlichkeit außerordentlich schwerwiegend, es kommt zu einer erheblichen Veränderung des Realitätsbezuges, die Personen können übliche soziale Verhaltensregeln nicht mehr durchschauen. Wahn und auch Halluzinationen sind häufig. Psychosen verlaufen, relativ unbeeinflußbar von äußeren Faktoren, typischerweise in Schüben oder Phasen. Eine medikamentöse Behandlung, insbesondere durch Neuroleptika oder Antidepressiva , im akuten Stadium ist in der Regel unumgänglich, um den Patienten soweit ansprechbar zu machen, daß eine begleitende Psychotherapie überhaupt erst möglich ist. Die Krankheitseinsicht fehlt dem Psychotiker meist völlig, die Störung wird als von außen kommend erlebt. Gefühle des Unheimlichen und massive Angstzustände sind sehr häufig.
Psychosexuelle Phasen: Entwicklungstheorie, Sigmund Freud im wesentlichen durch Beobachtung seiner eigenen Kinder entwickelte. Freud glaubte, daß in abgrenzbaren Phasen der kindlichen Entwicklung jeweils ein anderes Organ sexuell-lustvolle Erfahrungen vermittelt. Wegen seiner Veröffentlichungen über diese Sexualität bei Kindern wurde er um die Jahrhundertwende von der Fachwelt sehr stark angegriffen. In der oralen Phase (1. Lebensjahr) vermittelt der Mund dem Säugling erotische Erfahrungen, in der analen Phase (2.-3. Lebensjahr) erlebt das Kleinkind die Ausscheidung als lustvoll. In der ödipalen oder phallischen Phase (3.-5. Jahr) lernen Kinder sich selbst zu befriedigen und erleben erste Orgasmen. Aufgrund des Ödipus- bzw. Elektrakomplexes werden diese Erfahrungen jedoch verdrängt, so daß in der Latenzzeit (6. Lebensjahr bis Pubertät) sexuelle Bestätigung kaum eine Rolle spielt. Erst in der genitalen Phase (ab Pubertät) kommt es dann zur normalen sexuellen Betätigung des Erwachsenen. Aus heutiger Sicht ist diese Phasenlehre umstritten und gilt als kulturspezifisch für das 19.Jahrhundert. Freud glaubte, daß durch eine Fixierung an einzelne Phasen auch psychische Störungen entstehen können. So kann es seiner Ansicht nach zur Zwangsneurose kommen bei einer Fixierung an die anale Phase und zu einer Phobie bei Fixierung an die phallische Phase.
Psychosomatik: Die Psychosomatik geht von einer Unteilbarkeit seelischer ("Psyche") und körperlicher ("Soma") Prozesse aus, die schon die alten Römer postulierten: "Mens sana in corpore sano" (Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper). Psychische Probleme, insbesondere soziale Stressoren, können demnach körperliche Krankheiten auslösen oder zumindestens an deren Aufrechterhaltung beteiligt sein. Untersuchungen aus der relativ jungen Wissenschaft der Psychoneuro-Immunologie bestätigten diese Vermutungen. Insbesondere Neuropeptide, chemische Botenstoffe, die im Limbischen System (Sitz der Gefühle im Gehirn) ausgeschüttet werden, können Zellen des Immunsystems beeinflussen. Streß beeinflußt über Ausschüttung von ACTH (adrenocorticotropes Hormon) die Nebennieren, die wiederum Adrenalin (Bluthochdruck !) und Cortisol ausschütten, welches die Funktion des Immunsystems unterdrückt. Diese ständige Unterdrückung des Immunsystems kann zum "cholinergen Gegenschlag" führen, einer plötzlichen, übermäßigen Immunreaktion bei Allergikern in der Nacht oder in Zeiten der Ruhe. Typische psychosomatische Krankheiten sind zum Beispiel: Herzinfarkt, Neurodermitis, Asthma, Magen- und Zwölffingerdarmgeschwür, Magersucht und Bulimie.
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Q-Sort: Psychologischer Test, bei dem 100 Feststellungen auf Karten gedruckt sind. Jede einzelne Feststellung soll der Patient bestimmten Rubriken zuordnen, z.B. seinem Selbst- oder seinem Idealbild oder er soll bewerten, auf welche Person in seinem Umfeld die jeweilige Feststellung am ehesten zutrifft.
Quaddel: Hautausschlag infolge einer allergischen Reaktion durch Kontakt mit Außenreizen (z.B. Nickelallergie) oder durch bestimmte Nahrungsmittel. Allergische Prozesse können offensichtlich durch psychische Faktoren moduliert werden.
Quadrantenanopsie: Ausfall des Sehvermögens in einem Viertel (Quadrant) des Gesichtsfeldes. Neben Netzhautschäden ist hier die typische Ursache die Quetschung des Sehnerven infolge eines Unfalls oder eines Hirntumors. Bei homonymen Quadrantenanopsien findet sich die Blindheit des Quadranten auf beiden Augen und ist dem Patienten häufig nicht bewußt. Ursache ist in diesem Fall die Schädigung des Sehzentrums im Okzipitallappen, z.B. durch einen Infarkt der hinteren Hirnarterie (Arteria cerebri posterior) oder durch einen Unfall.
Quartile: ein Viertel. Manche Testverfahren teilen das Ergebnis der untersuchten Person lediglich als Quartil mit. Ein Ergebnis im Bereich des ersten Quartil gilt als unterdurchschnittlich, das 2.-3. Quartil ist durchschnittlich und ein Testwert im Bereich des 4.Quartils liegt über dem Durchschnitt. Der Median bezeichnet hierbei den Mittelwert.
Quecksilbervergiftung: eine Quecksilbervergiftung kann eine Ursache für eine hirnorganische Schädigung sein. Quecksilber, z.B. aus zerbrochenen Fieberthermometern oder defekten Quecksilber-Batterien, verdunstet bei Raumtemperatur und wird eingeatmet. Quecksilber wird im ZNS eingelagert und kann hier kaum abgebaut oder sonst irgendwie entfernt werden, so daß es Nerven langfristig schädigt. Es kommt in einer schleichend langsamen Entwicklung zu Mattigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen, Zahnausfall, Stimmungslabilität, Angst- und Erregungszuständen, Muskelzuckungen, Seh- und Hörstörungen, Gedächtnisschwierigkeiten, symmetrischen Lähmungen und Persönlichkeitsabbau.
Querschnittslähmung: Durchtrennung des Rückenmarks infolge eines Unfalls, Quetschung des Rückenmarks z.B. durch Bandscheibenvorfall oder durch einen Tumor im Wirbelkanal. Durch diese Ursachen wird die Reizweiterleitung zwischen dem Gehirn und den peripheren Nerven unterbrochen. Betroffen ist fast ausschließlich das animalische Nervensystem, das die willkürlichen Bewegungen steuert. Abhängig vom Ort der Schädigung können nur die Beine oder aber Arme und Beine nicht mehr bewegt werden. Bei einer Läsion im Halsbereich kann oft nur noch die Gesichtsmuskulatur willkürlich bewegt werden. In der Regel fällt hierbei auch die Wahrnehmung des Körpers völlig aus, so daß die gelähmten Teile nicht mehr gefühlt werden können. Eine sexuelle Betätigung fällt aufgrund dieser fehlenden Gefühle aus, obwohl spontane sexuelle Reaktionen über das vegetative Nervensystem möglich sind. Auch die willkürliche Entleerund von Blase oder Enddarm ist nicht mehr möglich, kann aber über eine Konditionieren (z.B. "Blase-Klopfen") des vegetativen Nervensystems teilweise wieder erlernt werden.
Querschnittsuntersuchung: zur Normierung von Testverfahren untersucht man Stichproben aus der Bevölkerung. Da es in der Regel Alters- und Geschlechtseinflüsse gibt, sucht man hierzu eine bestimmte Anzahl von Männern und Frauen aus, die in einzelnen Altersbereichen liegen, z.B. 10-19-jährige, 20-29-jährige, 30-39-jährige, ... Wesentlich ist, daß die Daten zu einem Meßzeitpunkt erhoben werden (z.B. Mai 1994) und man dann die Ergebnisse der Altersgruppen vergleicht. Diese Untersuchung unterscheidet sich von der Längsschschnittstudie erheblich. Diese ist sehr viel aufwendiger, da dieselben Personen über sehr lange Zeiträume immer wieder untersucht werden, z.B. im Mai 1934, im Mai 1944, im Mai 1954, im Mai 1964, im Mai 1974, ... Längsschnittstudien werden nur selten gemacht, sie liefern jedoch wichtige Informationen. So glaubte man aufgrund von Querschnittsuntersuchungen lange Zeit, daß die Intelligenz nach dem 60. Jahr rapide abnimmt. Erst mit Langzeituntersuchungen wurde festgestellt, daß dies nicht stimmt, sondern daß die Nachwirkungen einer von vorneherein geringeren Schulausbildung diese Ergebnisse bewirkte.
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Rational-emotive Therapie: diese psychotherapeutische Verfahrensweise wurde von dem Amerikaner Albert Ellis entwickelt. Ellis glaubt, daß unsere Erwartungen darüber, was andere über uns denken, unser Verhalten erheblich beeinflussen. Glaubt man, von anderen gemocht zu werden, dann wird man sich entsprechend frei und fröhlich verhalten und alleine dadurch sympathisch auf andere Menschen wirken. Nimmt eine Person jedoch an, daß andere ein negatives Vorurteil über sie haben, dann wird sie entsprechend mißtrauisch und vorsichtig interagieren, auf kleine Scherze aggressiv reagieren und dementsprechend dann tatsächlich bei den Personen des sozialen Umfeldes eine negative Einstellung ausbilden. Letztlich kann eine Person ihre sozialen Schwierigkeiten deshalb nicht beenden, indem sie ihre Arbeitsstelle oder das gesamte Lebensumfeld wechselt, da man seine inneren Einstellungen immer mitnimmt.
Regression: psychoanalytischer Abwehrmechanismus. In frustrierenden Situationen neigen viele Personen dazu, in kleinkindhafte, hilflose Verhaltensmuster zurückzufallen. Durch diese persönliche Regression hoffen sie zu erreichen, daß die Umwelt ihnen vermehrte Zuwendung und Hilfe gibt. Darüber hinaus erwarten viele Institutionen allerdings auch eine Regression des Patienten oder fördern diese Form der Unselbständigkeit geradezu noch. Insbesondere in Krankenhäusern, oft aber auch in den Pflegetrakten der Altenheime werden oft auch Menschen gewaschen, gefüttert und versorgt, die mit etwas Hilfe und vermehrtem Zeitaufwand dazu auch noch alleine in der Lage wären.
Reliabilität: ein Gütekriterium, das vor allem auf psychologische Tests angewandt wird. Von einem reliablen, d.h. zuverlässigen Test wird verlangt, daß das Ergebnis dieses Tests tatsächlich eine Persönlichkeitseigenschaft mißt, die bei derselben Person immer das gleiche Ergebnis bringt und nicht abhängig von der Situation oder anderen äußeren Faktoren ist.
Retrograde Amnesie: Gedächtnisverlust für den Zeitraum unmittelbar vor einem Ereignis mit Schädel-Hirn-Trauma. Nach einem Unfall mit Bewußtlosigkeit und Hirnquetschung können sich die meisten Patienten an den Unfall und an einen bestimmten Zeitraum (Minuten, Tage, manchmal sogar Wochen) vor dem Unfall nicht mehr erinnern.
Rezessiv: ein Gen, der Träger der Erbinformation, kann dominant oder rezessiv sein. Das dominante Gen setzt sich durch. Erst wenn beide Gene, sowohl das vom Vater wie auch das von der Mutter stammende Gen, rezessiv sind, kommt die hier vorhandene Erbinformation zum Tragen. Viele genetisch bedingte Krankheiten vererben sich offensichtlich rezessiv, so daß nur rund 25% der Nachkommen daran erkranken, die anderen haben entweder ein oder sogar beide dominanten Gene und erkranken daher nicht.
Rhesus-Faktor: Neben den Blutgruppen (A, B, AB oder Null) kann das Blut den sogenannten Rhesus-Faktor haben. Etwa 95% der Europäer sind Träger dieses Faktors (Rh+), nur 5% nicht (Rh-). Bekommt eine Rh-negative Frau ein Rh-positives Kind, dann reagiert ihr Immunsystem unter Umständen während der Geburt, wenn es zu einem Blutaustausch zwischen Mutter und Kind kommt, mit Bildung von Antikörpern gegen das eigene Kind. Diese Antikörperbildung geschieht dann während einer zweiten oder nachfolgenden Schwangerschaft sehr viel schneller, so daß der ungeborene Fötus geschädigt werden kann und eventuell auch geistige Defekte erleidet.
Röteln: eine Viruserkrankung, die den ungeborenen Fötus schädigen kann, wenn die schwangere Frau während der ersten drei Schwangerschaftsmonate an Röteln erkrankt. Danach sind Schädigungen nur selten. Eine einmal durchgemachte Röteln-Erkrankung erzeugt lebenslange Immunität. Die geschädigten Kinder leiden häufig unter geistiger Retardierung, Blindheit, Schwerhörigkeit und Herzmißbildungen.
Rorschach-Test: projektives Testverfahren, das von dem Schweizer Arzt Hermann Rorschach entwickelt wurde. Der Test besteht aus zehn Tintenklecksbildern, zu denen der Patient seine Einfälle schildern soll. Die Auswertung geschieht vor allem anhand der Originalität und erlaubt Rückschlüsse auf Motive und Bedürfnisse des Patienten, auf seine Persönlichkeitsstruktur und nach Ansicht von Rorschach auch auf die Intelligenz.
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Sadismus: sexuelle Perversion. Benannt nach dem Marquis de Sade. Sadisten werden sexuell erregt, wenn sie andere Personen quälen können. In der Regel werden die Geschlechtspartner im entkleideten Zustand gefesselt, geknebelt, geschlagen, gebissen und vergewaltigt. In seltenen Fällen kommt es zu einer funktionierenden Beziehgung zwischen einer sadistischen und einer masochistischen Person.
Schilddrüse: endokrine Drüse im Bereich der Luftröhre. Die Schilddrüsenhormone steuern das körperliche Wachstum und den allgemeinen Körperstoffwechsel. Eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) führt zu beschleunigtem Stoffwechsel, die Betroffenen können sehr viel essen, ohne dick zu werden, sie sind hyperaktiv, schlafen wenig und zeigen eine ausgeprägte Labilität der Stimmungen von plötzlichem Jähzorn bis zu überraschender Depression. Eine Schilddrüsenunterfunktion äußert sich oft durch gegensätzliche Symptome.
Schizophrenie: Psychotische Störung. Die Schizophrenien sind eine der häufigsten Formen endogener Psychosen mit erheblichem Realitätsverlust. Typischerweise können Schizophrene zwischen realen Erlebnissen und ihren Phantasien und Halluzinationen nicht mehr unterscheiden. Die Patienten leiden unter Denkstörungen (Gedankenentzug, Gedankeneingebung, Ideenflucht), Sprachstörungen (wirre Sprache mit Wortneuschöpfungen), Wahnvorstellungen (Beziehungs- und Verfolgungswahn), Halluzinationen (Stimmen-Hören, Sehen von objektiv nicht vorhandenen Personen oder Tieren), Bewegungsstörungen (katatoner Stupor, Erregungsstürme), sozialen Schwierigkeiten (Isolation, sozialer Rückzug, Kontaktarmut) und Affektlabilität (oft unangemessene Emotionen). Die Erkrankung verläuft schubweise, zwischen den Schüben sind viele Patienten völlig normal, ein Teil zeigt weiterhin seltsame, bizarre Verhaltensmuster. Es existieren mehrere Untergruppen der Schizophrenie, z.B. die hebeprene, die katatone und die paranoide Schizophrenie, sowie die Schizophrenia simplex. Ursache für die Schizophrenie ist möglicherweise eine zu hohe Produktion des Neurotransmitters Dopamin. Neuroleptika, eine bestimmte Gruppe von Psychopharmaka, blockiert die Rezeptoren für das Dopamin und bringt so einige Symptome zum Verschwinden.
Schlafkrankheit: siehe Encephalitis lethargika oder Narkolepsie.
Senile Demenz: im hohen Alter beginnende Demenz durch eine allgemeine Hirnschädigung mit Schrumpfung der Hirnmasse, Verbreiterung der Hirnfurchen und Vergrößerung der Ventrikel. Es kommt zum Gedächtnisverlust, allmählichen Abbau intellektueller Funktionen, Konzentrationsschwierigkeiten, ständige Wiederholungen derselben Inhalte in der Sprache, allmähliche Verwahrlosung, Affektlabilität und schließlich völliger Apathie. Typische Demenzformen sind die Alzheimersche Demenz, die Multi-Infarkt-Demenz oder die Picksche Demenz.
Senile Plaques: isolierte, narbenähnliche Veränderungen im Zentralen Nervensystem. Es handelt sich meist um degenerierte Nervenzellen, die von Bindegewebe umgeben sind. Senile Plaques finden sich gehäuft in den Gehirnen von Alzheimer-Patienten. Diese Befunde deuten darauf hin, daß Alzheimer möglicherweise eine Erkrankung ist, bei der das Immunsystem entartete Nervenzellen vernichtet.
Serotonin: Transmittersubstanz (chem. Botenstoff) im Gehirn, aus der Gruppe der Amine. Serotoninschwankungen sind vermutlich ursächlich an der manisch-depressiven Psychose beteiligt.
Soma: Körper. Gemeint kann der Zellkörper des Neurons sein, oder aber in der Wortverbindung "psychosomatisch" der gesamte Organismus.
Sprachstörungen: nach einer Hirnschädigung meist Broca Aphasie (Wortfindungsstörungen mit erheblichem subjektiven Leidensdruck), Wernicke Aphasie (ungeordnete Sprache mit unzusammenpassenden Satzfolgen, jedoch kaum Leidensdruck) oder globale Aphasie (nahezu völliges Sprachversagen, nur noch stereotype Redewendungen). Auch Stottern und Stammeln und Mutismus sind Sprachstörungen, die jedoch überwiegend nicht durch eine Hirnstörung entstehen, sondern psychosoziale Ursachen haben.
Sprechstörungen: im Unterschied zu den Sprachstörungen liegt hier ein Problem des Aussprechens vor. Nach hirnorganischen Läsionen oder auch nach Kehlkopf-Operationen haben die Patienten Probleme Mund, Lippen und Zunge so zu bewegen, daß die Sprache verständlich klingt.
Streß: unklar definierter Begriff. Zum Stressor kann letztlich alles werden, was zu einer psychischen oder körperlichen Reaktion im Individuum führt, die als angsterregend, belastend, aggressions- oder depressionsauslösend empfunden wird. Zum Teil wird zwischen noch angenehmen Streß (spannender Kinofilm, Achterbahnfahrt oder erfolgreiche Meisterung des Berufsalltages) und Disstreß unterschieden (ständige Überlastung in Beruf und Familienleben, Prüfungsangst, Verkehrschaos, Kriegszustand usw.). Letztlich hängt es von der subjektiven Bewertung des Individuums ab, ob sie die Situation als interessant, spannend, belastend oder wirklich stressig empfindet. Fest steht zumindestens, daß Streß-Situationen zu einer Vielzahl von Anpassungsreaktionen des Körpers führen. Hans Selye stellte schon in den dreißiger Jahren im Tierversuch eine Vielzahl solcher körperlicher Auswirkungen von Streß fest. Insbesondere das Immunsystem wird von Streß hochgradig beeinflußt. Autogenes Training oder andere Entspannungsformen können dem Streß jedoch entgegenwirken, so daß es zu keiner organischen Schädigung kommen muß.
Sucht: Sucht ist definiert durch eine körperliche Abhängigkeit, die durch die fortwährende Aufnahme einer psychisch wirkenden Droge entstanden ist. Neben der psychischen Abhängigkeit besteht hierbei eine schwerwiegende Entzugssymptomatik, wenn die entsprechende Droge nicht regelmäßig zugeführt wird. Zudem kommt es bei den meisten Drogen schnell zum sozialen Abstieg. Die schwersten Suchterscheinungen haben Alkohol und Opiate (Morphium und Heroin) zur Folge. Durch die sog. Kreuztoleranz wirken bei diesen Patienten häufig auch Beruhigungs- oder Narkosemittel nicht mehr adäquat.
Sympathicus: neben dem Parasympathicus der wichtigste Nerv des autonomen Nervensystems. Der Sympathicus hat vorrangig aktivierende Wirkung wie z.B. Kontraktion der peripheren Blutgefäße, Erhöhung des Blutdrucks, Beschleunigung von Herzschlag und Atmung, jedoch Verlangsamung der Peristaltik der Verdauungsorgane. In Streß- oder Kampfsituationen wird vom Sympathicus Adrenalin gebildet.
Synapse: Schaltstelle zwischen zwei Nervenzellen. Nervenzellen wachsen in der Regel nicht zusammen, sondern bei der Reizweiterleitung besteht zwischen dem Axon einer Zelle und den Dendriten (Empfangsorgan) der nachfolgenden Zelle ein synaptischer Spalt. Dieser wird überbrückt, indem ein Endköpfchen am Ende des Axons Transmittersubstanz auswirft, chemische Botenstoffe, für die an den Dendriten der nächsten Zelle Empfangsrezeptoren sind. Psychopharmaka, aber auch viele Drogen, beeinflussen, blockieren oder ersetzen diese Transmittersubstanzen.
Syndrom: eine Gruppe von mehreren einzelnen Symptomen, die zusammen bei einer bestimmten Krankheit auftreten.
Systematische Desensibilisierung (Hyposensibilisierung): allmähliche Gewöhnung an einen Reiz, der eine übermäßig starke Reaktion auslöst. Allergiker reagieren übermäßig stark auf im Grunde ungefährliche Stoffe wie Blütenpollen. Man spritzt so geringe Dosen, daß die allergische Reaktion nicht stattfindet, erhöht dann aber Woche für Woche die Dosis, so daß der Körper sich daran gewöhnt. In der Verhaltenstherapie wird dasselbe Verfahren z.B. bei Phobikern angewandt, die man in hierarchisch abgestuften Schritten immer näher an den angstauslösenden Reiz heranführt. Ein Spinnenphobiker müßte z.B. in einer entspannten Situation ein Buch über Spinnen lesen, einen Film darüber sehen. Eine im Terrarium eingesperrte Spinne beobachten, eine kleine Spinne beobachten usw., bis die Angst allmählich verlernt wurde.
Systemische Therapie: Diese psychologische Therapie geht davon aus, daß der Einzelne nur Symptomträger für Probleme einer Gruppe ist. Konflikte einer Gemeinschaft wie z.B. Familie, Schulklasse, Arbeitsgruppe einer Firma oder auch Wohngruppe eines Heimes schlagen sich häufig auf das schwächste Glied dieser Kette nieder, das dann Krankheitssymptome entwickelt. Es nützt nach Ansicht der systemischen Therapeuten dann wenig, wenn man nur diese eine Person behandelt, wenn diese weiterhin dem Druck derr Gruppe ausgesetzt bleibt, sondern die gesamte Gruppe muß zum Psychotherapeuten oder besser: der Psychotherapeut lebt einige Zeit in der Gruppe, analysiert die Konflikte und versucht Änderungen herbeizuführen.
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Temperament: individuell vorherrschende Grundstimmung. Von Hippokrates und Galenus wurden die folgenden vier Temperaments-Typen entwickelt: Choleriker (leicht aufbrausend, jähzornig), Melancholiker (trübsinnig, grübelnd, verzagt, gehemmt), Phlegmatiker (langsam, zäh) und der Sanguiniker (heiter, schnell, geringe Gefühlstiefe).
Temporallappen: auch als Schläfenlappen bezeichneter Teil der Großhirnhemisphären des Gehirns. Die beiden Temporallappen liegen auf Höhe der Ohren rechts und links an den Schläfen. Wesentlichste Aufgabe ist die Verarbeitung von akustischen Informationen. Insbesondere der linke Temporallappen (bei Linkshändern ofer der rechte) ist hierbei für das Erkennen und Verstehen von Sprache verantwortlich. Der durchschnittliche Bundesbürger versteht etwa 100.000 unterschiedliche Worte, die alle hier gespeichert sind und dann wiedererkannt werden. Das Wernicke Sprachzentrum am Übergangebereich zum Parietallappen produziert dann die Idee dessen, was diese Person sagen will. Im rechten Temporallappen liegt eher die Fähigkeit Geräusche zu erkennen oder Musik genießen zu können. Darüber hinaus hat der Temporallappen einige wichtige Gedächtnisfunktionen Bei Schädigung kommt es entsprechend zum Unvermögen, die eigene Muttersprache zu verstehen oder jegliche Musik klingt nur noch wie Krach. Fast immer sind Gedächtnisprobleme vorhanden.
Testosteron: männliches Sexualhormon, das für die Ausbildung der männlichen Geschlechtsmerkmale verantwortlich ist, allerdings produzieren auch Frauen geringe Mengen Testosteron, die vor allem nach den Wechseljahren zum Tragen kommen können, wenn der Östrogenspiegel sehr viel niedriger ist. Ein hoher Testosteronspiegel drängt den Mann nicht nur zum Sexualverhalten, sondern auch eine Korrelation zur Aggressivität wird diskutiert.
Thalamus: wichtige Schaltstation im Zwischenhirn. Der Thalamus erhält Informationen von allen Hirnteilen und kann einzelne Teile der Großhirnrinde aktivieren. Insbesondere bestehen Bahnen vom Thalamus zum Hypothalamus und von dort zur Hypophyse, der Steuerzentrale für Hormone.
Thanatos: Todestrieb. Freud erklärte alle Verhaltensweisen zunächst mit dem Eros, dem Liebestrieb, stellte dann aber im Verlauf des 1. Weltkrieges fest, daß die Grausamkeit des Menschen nicht ausschließlich durch den Eros erklärt werden kann. Freud führte daraufhin den Thanatos ein, der für alle aggressive Verhaltensweisen verantwortlich ist. Wie die Libido, die Energie des Eros, bedarf auch der Thanatos einer ständigen Abfuhrmöglichkeit seiner Energie in Form von gelegentlichen aggressiven Verhaltensweisen, damit es nicht zum Aufstau dieser Energie kommt, was eine psychische Störung zur Folge hätte.
Thematischer Apperzeptionstest (TAT): Projektives Testverfahren. Der untersuchte Patient soll hier zu einer Anzahl von Bildern, die jeweils sehr vielfältige Assoziationen erlauben, eine eigene Geschichte erfinden. Aus der Art der Ideen, die der Patient schildert, kann der Untersucher Informationen über die Persönlichkeit und die Bedürfnisstruktur ableiten.
Token-System: Methode der Verhaltenstherapie, auf deutsch auch als "Münzsystem" bezeichnet. Psychisch gestörte Patienten mit asozialen Verhaltensweisen erhalten für jede sinnvolle, selbständige oder hilfreiche Handlung einen Chip als Belohnung. Diese Chips können später gegen spezielle Belohnungen eingetauscht werden, z.B. einer Teilnahme an besonderen Veranstaltungen (Kinofilm, Ausflug, Tanzabend). Hierdurch gelingt es, eine allmähliche Motivation aufzubauen, angemessenes soziales Verhalten zu zeigen, ohne die Person direkt zu zwingen. Unsoziale Verhaltensweisen werden gleichzeitig durch Nichtbeachtung des Patienten abgebaut, soweit dies möglich ist.
Tranquilizer: Tranquilizer (Benzodiazepine) sind das typische Beruhigungsmedikament, sie werden wegen ihrer angstlösenden Wirkung auch als Anxiolytika bezeichnet. Tranquilizer haben einen beruhigenden Effekt, der Patient verliert Furcht- und Unruhegefühle und fühlt sich sicher und geboren. Tranquilizer werden heute als Schlafmittel eingesetzt, nachdem Barbiturate wegen der hohen Giftigkeit weitgehend vom Markt gezogen wurden. Tranquilizer wurden nach ihrer Entdeckung in den 50er Jahren zunächst gefeiert, man glaubte, damit langwierige psychotherapeutische Behandlungen ersetzen zu können. Inzwischen mußte man leider feststellen, daß Tranquilizer süchtig machen und nach Absetzen eine Entzugssymtomatik mit Panikzuständen und schweren Schlaf- und Unruhestörungen hervorrufen. Tranquilizer sollten daher nur bei akuten Zuständen maximal 14 Tage eingesetzt werden. Bei alten Menschen kommt es oft zu paradoxen Reaktionen mit völlig gegenteiligen Effekten.
Transsexualität/Transidentität: Transsexuelle (= Transidente) sind der festen Überzeugung, durch einen Irrtum der Natur mit dem falschen Geschlecht geboren worden zu sein. Sie versuchen häufig jahrelang mit diesem, ihrer Ansicht nach falschen Geschlecht zu leben, streben dann aber meist doch irgendwann eine Operation an, um eine Geschlechtsumwandlung zu erreichen. Allerdings bleiben die Probleme des Transsexuellen oft auch nach der Operation erhalten oder vermehren sich durch die Reaktion der Umwelt auf das plötzlich veränderte Aussehen des Transsexuellen. Transsexualität findet sich bei beiden Geschlechtern.
Transvestitismus: sexuelle Abweichung. Transvestiten finden es sexuell erregend, die Kleider des anderen Geschlechts zu tragen. Überwiegend handelt es sich um Männer, die Büstenhalter, Slips, Strapse und hochhackige Schuhe anziehen, sich schminken und die Fingernägel lackieren. Häufig werden Östrogene genommen, hierdurch erhält die Brust weibliche Formen. Eine Geschlechtsumwandlung wird in der Regel nicht angestrebt. Ein Teil der Transvestiten hat weibliche, der andere Teil männliche Geschlechtspartner.
Trauma: schwere körperliche Verletzung (z.B. durch einen Unfall) oder aber auch ein schwerer psychischer Schock mit anhaltenden Nachwirkungen.
Traumdeutung: psychoanalytische Behandlungstechnik. Sigmund Freud glaubte, daß Träume in symbolisch verschlüsselter Form Informationen aus dem Unbewußten beinhalten und dadurch erlauben, bei entsprechender Deutung auch verdrängte Inhalte aus der Kindheit wieder aufzufinden. Hinter dem manifesten Traum verbirgt sich nach Freud ein latender Traumgedanke mit direkter Beziehung zu einem verdrängten Erlebnis. Die Symbole in den Träumen sind jedoch nicht universeller Natur, wie häufig in entsprechenden, billigen Büchern zur Traumdeutung oft angegeben, sondern abhängig davon, was die einzelne Person aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen damit assoziiert.
Tremor: Zittern der Muskulatur, das nicht unterdrückt werden kann. Bei vielen Krankheiten auf einzelne Körperteile (z.B. die Hände) begrenzt. Typisch ist zum Beispiel der Tremor, der bei Alkoholentzug auftritt. Beim Parkinsonismus besteht oft ein Ruhetremor, der bei Bewegung verschwindet.
Trepanation: in der Steinzeit glaubte man, daß psychische Krankheiten durch böse Geister oder Dämonen verursacht werden. Man bohrte deshalb Löcher in den Schädel, um die Geister aus dem Kopf zu vertreiben. Tatsächlich überlebten schon damals viele Patienten diese Operation, wenn die Hirnhäute bei der Schädelöffnung nicht verletzt wurden. Einzelne Schädelfunde zeigen bis zu drei solcher meist 5-Markstück großen Löcher, die zeigen, daß durch diese Behandlungsmethode offensichtlich schon damals kein Erfolg in Bezug auf die psychische Störung zu erreichen war.
Tumor: Geschwulst. Zellen können beginnen sich ungeordnet zu vermehren und Geschwulste zu bilden. Man unterscheidet gutartige Geschwulste, die langsam wachsen und sich abkapseln und bösartige (maligne) Geschwulste, die schnell wachsen, sich in das umliegende Gewebe hineinfressen und Metastasen bilden (Krebs). Hirntumore sind immer gefährlich, da auch bei den gutartigen Geschwulsten das umliegende Nervengewebe zerquetscht wird, denn im Schädelhohlraum ist nur begrenzter Platz. Hierdurch kommt es zu zunehmenden neurologischen Ausfällen und schließlich zu epileptischen Anfällen. Daher muß jeder Tumor operativ entfernt werden. Allerdings ist es heute neurochirurgisch möglich, so zielgenau zu operieren, daß durch die Operation kaum noch eine Bedrohung des Lebens des Patienten vorliegt.
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Überflutungstherapie (Flooding, Implosion Therapy): Verhaltenstherapie bei Phobien und Zwangsneurosen. Der Patient wird in Gegenwart von zwei Therapeuten gezwungen die angstauslösende Situation so lange zu ertragen, bis sich die Angst alleine durch Gewöhnung abschwächt. Ein Patient mit Klaustrophobie zum Beispiel müßte mit den Therapeuten so lange in diversen Fahrstühlen auf und ab fahren, bis sich keine Angst mehr zeigt. Das Verfahren ist allerdings umstritten und kann bei einem Mißerfolg die Ängste sogar noch verstärken.
ÜBER-ICH: Teil der Persönlichkeit im psychoanalytischen Modell von Sigmund Freud, neben dem ES und dem ICH. Das ÜBER-ICH bildet sich durch allmähliche Übernahme elterlicher Gebote und Verbote heraus, das Kind identifiziert sich zunehmend mit den Eltern und übernimmt hierbei auch deren moralische Werte. Das ÜBER-ICH beinhaltet das strafende Gewissen und das belohnende ICH-IDEAL.
Übertragung: Innerhalb der Therapiesituation überträgt nach psychoanalytischer Sicht der Patient Gefühle, die er früher gegen andere Personen hatte (z.B. gegen den Vater, die Mutter, die Geschwister), nun auf den Therapeuten. Diese Übertragung ist erwünscht, der Analytiker bemüht sich sogar als neutrale Person derartige Übertragungen hervorzurufen. Diese Übertragung von alten Gefühlen hilft dem Analytiker, das Problem des Patienten zu verstehen. Schwieriger ist die sogenannte "Gegenübertragung", die bei ungeschulten Therapeuten einsetzt. Hier nimmt der Therapeut die Übertragung des Patienten als gegen sich selbst gerichtet an und reagiert ebenfalls emotional. Gegenübertragung gilt als häufige Ursache für sexuelle Ausnutzung von Patienten in Therapien.
Ulcus: Geschwür. Meist als Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür, die durch übermäßige Produktion von Säure verursacht werden. Der direkte ursächliche Zusammenhang mit Dauerstreß ist heute unbestritten.
Unbewußtes: Teil der Persönlichkeit in der psychoanalytischen Theorie. Freud unterschied hier das Bewußte, das Vorbewußte und das Unbewußte. Im Unbewußten befinden sich vor allem verdrängte (jedoch nicht vergessene!) Erlebnisse, die als psychische Traumen erlebt wurden und die Integrität des Individuums in Frage stellen würden, falls sie der bewußten Erinnerung zugänglich wären. Unbewußte Komplexe haben jedoch erhebliche Auswirkungen auf das Verhalten. Das Ich muß ständig Energie aufwenden, um diese belastenden Sachinhalte im Unbewußten zu behalten. Diese Energie steht dem Menschen nicht mehr für die Meisterung von Alltagsaufgaben zur Verfügung, es kommt zu neurotischen Symptomen. Die analytische Therapie macht diese verdrängten Erinnerungen wieder bewußt und hilft dem Patienten das Erlebnis zu verarbeiten.
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Vaginismus: unkontrollierbarer, sehr schmerzhafter Krampf der Scheidenmuskulatur in Verbindung mit dem Versuch des Geschlechtsverkehres. Vaginismus ist häufig bei unerfahrenen, jungen Mädchen, die durch ihre Erziehung Angst vor dem Geschlechtsverkehr mit einem Mann haben. Durch eine systematische Desensibilisierung läßt sich diese Symptomatik meist innerhalb kurzer Zeit völlig beheben.
Validität: Gütekriterium für Tests. Ein Testverfahren ist valide, wenn die im Test untersuchte Persönlichkeitseigenschaft sich tatsächlich im täglichen Leben des Patienten auch vorfinden läßt. Ein Patient mit einem hohen Aggressionswert im Persönlichkeitsfragebogen muß demnach auch im Alltag häufig in Streitigkeiten verwickelt sein. Ein Mensch mit einem außerordentlich hohen Intelligenzquotienten muß sein Abitur schaffen.
Verdrängung: psychoanalytischer Abwehrmechanismus. Erlebnisse, Gedanken oder Bedürfnisse, die aufgrund von strengen Verboten des ÜBER-ICHS nicht akzeptabel sind, werden in das Unbewußte verdrängt. Sie sind dort nicht vergessen, sondern die Person muß beträchtliche Energie aufwenden, um sich nicht daran zu erinnern. Jeder von uns verdrängt zum Beispiel das Wissen um den eigenen Tod und nimmt ungesunde Risiken inkauf ohne darüber nachzudenken. In der Phase des "Nicht-wahrhaben-wollens" nach Kübler-Ross verdrängt ein Patient mit einer lebensbedrohlichen Krankheit dieses Wissen einfach und versucht zunächst, so weiterzuleben als habe sich nichts durch die todbringende Diagnose geändert.
Verhaltensanalyse: Methode der Verhaltenstherapie. Die Verhaltensanalyse fragt im wesentlichen, welche als angenehm empfundenen Konsequenzen vorhanden sind, die beim Patienten ein störendes Verhalten aufrechterhalten. Häufig wird z.B. "Jammern" bei alten Menschen belohnt, indem man bestimmte Handgriffe für sie erledigt, obwohl das Jammern als lästig empfunden wird und das Erledigen der Dinge einer Rehabilitation alter Menschen meist widerspricht. Die Verhaltensanalyse würde nach den Hintergründen für dieses Verhalten fragen und Vorschläge erarbeiten, welches angemessene Verhalten zukünftig belohnt werden soll.
Verhaltensformung: auch als "Shaping" bezeichnete Methode, bei der eine Person stückweise immer näher an ein Zielverhalten herangeführt wird. Komplexe Verhaltensweisen werden hierfür in einzelne Teile zerlegt, einzeln geübt und belohnt. Die Methode wurde im Tierversuch entwickelt und eignet sich besonders, um geistig behinderten Kindern lebenspraktische Fähigkeiten wie z.B. sich selbständig anzuziehen, beizubringen. Für alte Leute ist das Verfahren nur begrenzt brauchbar aufgrund der Gedächtnisprobleme und des chronischen Abbaus.
Verhaltenstherapie: Methode der Psychotherapie. Die Verhaltenstherapie geht davon aus, daß jedes Fehlverhalten irgendwann einmal erlernt und von der Umwelt oder von der Person selbst belohnt wurde. Solchermaßen erlerntes Verhalten kann man jedoch auch wieder verlernen, wenn es künftig gelöscht oder sogar bestraft wird und vor allem, wenn es gleichzeitig durch angemessene Verhaltensweisen ersetzt wird, die nun belohnt werden. Eine neurotische Person, die gelernt hat, daß ihre sozialen Ängste sich reduzieren, wenn sie künftig nur noch zu Hause bleibt und den Ehemann oder die Kinder zum Einkaufen schickt, kann durch eine solche Verhaltenstherapie stufenweise wieder dazu gebracht werden, das Haus zu verlassen und Kontakt zur sozialen Außenwelt aufzunehmen. Verhaltenstherapie eignet sich insbesondere auch für soziale Ängste und Kontaktschwierigkeiten.
Verstärkung: Begriff aus der Verhaltenstherapie. Ein Verhalten wurde verstärkt, wenn es hinterher häufiger auftritt als vorher. Ein "Verstärker" ist dabei alles, wodurch sich eine solche verstärkte Auftretenswahrscheinlichkeit hervorrufen läßt, etwa Geld, Süßigkeiten oder menschliche Zuwendung. Für Personen, die sonst kaum Zuwendung haben, können auch Verhaltensweisen wie Anschreien oder sogar Schlagen eine verstärkende Wirkung haben. Auch das Ende einer als unangenehm empfundenen Situation kann einen verstärkenden Effekt haben.
Voyeurismus: sexuelle Perversion. Die Beobachtung anderer Personen in einer intimen Situation, etwa nackt beim Duschen oder beim Geschlechtsverkehr erregt den Voyeuristen. Viele dieser Personen nehmen durchaus gefahrvolle Situationen inkauf, um andere zu beobachten. Allerdings scheint ein gewisses Ausmaß an Voyeurismus beim Menschen, insbesondere bei Männern, normal zu sein, da ganze Industriezweige Material mit entsprechendem pornographischen Inhalt verkaufen und beachtliche Umsätze dabei erzielen. Eine Grenze zwischen normal und krankhaft läßt sich hierdurch kaum ziehen.
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Wahn: irreale Überzeugung, die in Widerspruch zu den tatsächlichen Gegebenheiten steht. Der Wahnkranke versucht, die seltsamen psychotischen Erfahrungen (z.B. Gedanken-Entzug, Stimmen-Hören) irgendwie zu erklären. Aus diesen Erklärungsversuchen resultiert der Wahn. So glaubt der Patient, daß außerirdische Aliens ihm fremde Gedanken eingeben, die er gar nicht denken will oder ihm seine eigenen entziehen, um die menschliche Rasse zu untersuchen. Hierdurch gelingt es dem Kranken, nicht erkennen zu müssen, daß er selbst psychisch krank ist. Häufig sind: Beziehungswahn (zufälliges Lachen im Restaurant wird auf sich bezogen), Verfolgungswahn (Glaube, daß überall Abhöranlagen eingebaut sind), Größenwahn des manischen Patienten (Vorstellung von Gott beauftragt zu sein), Eifersuchtswahn des Alkoholikers (aufgrund der eigenen Impotenz steigert der Alkoholiker sich in die Vorstellung hinein, daß seine Frau ihn betrügt). Wahn kann auch bei Schwerhörigkeit ("andere reden ständig über mich") oder Blindheit ("andere stellen mir bewußt Gegenstände in den Weg") auftreten oder vorübergehend bei schweren körperlichen Krankheiten.
Wernicke-Aphasie: Sprachstörung, meist nach Schädigung im Bereich des linken Temporallappens. Die Patienten sprechen zwar schnell und flüssig, ihre Sprache ist aber häufig verworren und Worte werden grammatikalisch falsch benutzt: "Ich bin obenunten da gewest und huch, dann war es auch schon weg, so gegangen, bis heute wenig Unterschied, weil da war es auch wieder noch nicht so, ja warum denn auch nicht, Sie sind ja auch nicht gegangen, ..." Den Patienten selbst fällt in der Regel nicht auf, daß ihre Sätze inkorrekt sind, sie reden munter drauf los und wundern sich, daß andere sie nicht verstehen. Wernicke Aphasie führt oft zur Fehldiagnose einer Altersschizophrenie.
Widerstand: Fachausdruck aus der psychoanalytischen Therapie. Nähert sich der Analytiker durch geschicktes Deuten der verdrängten, angstbelasteten Erinnerung eines Patienten, so wird dieser massiven Widerstand zeigen, um sich an dieses verdrängte Erlebnis nicht erinnern zu müssen. Es kommt zu trotzigen Reaktionen, Beschimpfen des Therapeuten oder Abbruch der Therapiesitzung. Dieses Verhalten, dessen Funktion dem Patienten nicht bewußt ist, zeigt dam Analytiker aber gerade, daß er auf dem richtigen Weg ist.
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Zentralnervensystem (ZNS): unter dem ZNS versteht man das Rückenmark und das Gehirn. Es unterscheidet sich vom peripheren Nervensystem, das sich durch den ganzen Körper erstreckt. Das ZNS hat vor allem eine Funktion als Koordinator des Körpers, es lenkt sämtliche Vorgänge, willentliche Bewegungen und erlaubt zumindestens uns Menschen ein bewußtes Denken.
Zwangsneurose: Zwangsneurotiker werden durch ständige Vorstellungen von gräßlichen Unglücken oder Katastrophen geplagt und versuchen sich mit einer Fülle von Handlungen abzusichern. So kontrollieren Zwangsneurotiker ständig, ob die Haustür abgeschlossen, Herd- , Kaffee- und Waschmaschine abgeschaltet und alle Fenster geschlossen sind. Viele haben Angst vor einer Ansteckung mit gefährlichen Krankheiten und waschen sich jedesmal die Hände, wenn sie einen fremden, nicht zum Haushalt gehörenden Gegenstand berühren mußten (Waschzwang). Andere sammeln zwanghaft Briefe, Zeitungsartikel, Zeitschriften, Einkaufsbons oder sogar Werbebroschüren, da sie meinen, daß diese irgendwann einmal noch wichtig oder wertvoll werden könnten.
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